»Es ist mir so gut bei Swaniez ergangen, daß ich gern im Schlößchen bliebe,« sagte der Kämmerer, »wenn ich nur die Gewißheit hätte, daß Ihr mir von Zeit zu Zeit von Kamieniez her beispringt. Geschehe dann, was da wolle.«
»Sie haben zweihundert Kanonen,« antwortete Michael, »und wenn sie zwei schwere Geschütze herbeibringen, hält das Schlößchen nicht einen Tag aus. Ich wollte selbst drin bleiben, aber jetzt, wo ich es untersucht habe, sehe ich, daß es zwecklos ist.«
Die anderen schlossen sich der Ansicht des kleinen Ritters an. Herr von Landskron widersprach noch eine Weile; er wollte durchaus in Swaniez bleiben; aber er war doch schließlich ein allzu erfahrener Soldat, um Michael nicht recht zu geben. Da stürzte Herr Wasilkowski eilig ins Schloß und unterbrach alle seine Erwägungen.
»Meine Herren,« rief er, »man sieht den Fluß nicht mehr, der ganze Dniestr ist von Flößen bedeckt!«
»Setzen sie über?« fragten alle.
»Bei Gott, die Türken sind auf den Flößen, und die Tataren die Furten entlang.«
Herr von Landskron zögerte nicht mehr, sondern befahl sofort die alten Schloßhaubitzen einzuschmelzen; die übrigen Sachen ließ er, so gut es ging, verbergen oder nach Kamieniez bringen. Michael bestieg sein Pferd und ritt an der Spitze seiner Leute voraus, um von einer entfernten Anhöhe den Übergang zu beobachten.
Halil und Murad setzten wirklich über den Fluß; so weit das Auge reichte, sah man Prahme und Flöße, deren Ruder mit regelmäßigen Schlägen das helle Wasser zurückwarfen. Die Janitscharen und Spahis kamen gleich in großer Zahl an, denn die Kähne zum Übersetzen hatte man seit langer Zeit in Chozim ausgerüstet. Außerdem standen am Ufer in der Nähe ungeheure Heeresmassen. Michael vermutete, daß sie einen Brückenbau vornähmen, aber der Sultan hatte die Hauptmacht noch nicht in Bewegung gesetzt. Inzwischen war Herr von Landskron mit seinen Leuten herangekommen, und nun ritten beide nach Kamieniez. In der Stadt erwartete sie Potozki. In seinem Quartier waren die höheren Offiziere versammelt, vor dem Hause standen Haufen von Menschen beiderlei Geschlechts in Unruhe, Sorge und Neugier. »Der Feind setzt über den Fluß, und Swaniez ist genommen,« sagte der kleine Ritter.
»Die Arbeiten sind fertig, wir warten,« antwortete Potozki.