Die Nachricht ging durch die Menge, und sie begann zu wogen wie eine Wasserflut. »An die Tore, an die Tore!« schallte es durch die Stadt, »der Feind ist in Swaniez!«

Bürger und Bürgerinnen liefen zu den Festungstürmen, weil sie glaubten, von hier aus den Feind zu sehen, aber die Soldaten verwehrten ihnen den Zutritt zu den für den Kriegsdienst bestimmten Orten. »Geht in eure Häuser!« riefen sie der Menge zu; »wenn ihr unser Verteidigungswerk stören wollt, so werden eure Frauen gar bald die Türken aus nächster Nähe kennen lernen.«

Im übrigen herrschte keine Furcht in der Stadt, denn schon war die Kunde von dem heutigen Siege überall verbreitet und dieser natürlich vergrößert worden. Die Übertreibung war das Werk der Soldaten, die Wunderdinge von dem Treffen erzählten.

»Herr Michael hat die Janitscharen aufs Haupt geschlagen, — die Garde des Sultans!« wiederholte aller Mund. »Die Heiden können sich nicht messen mit Herrn Michael, den Pascha selbst hat er niedergehauen! Der Teufel ist nicht so schwarz, wie man ihn malt; sie haben doch unserem Heer nicht standhalten können. Recht so, euch Hundesöhnen! Ein Pereat euch und euerm Sultan!«

Noch einmal erschienen die Bürgersfrauen bei den Schanzen auf den Basteien und Türmchen, jetzt aber beladen mit Flaschen Weins, Branntwein und Met. Diesmal begrüßte man sie freudig, und die Soldaten ließen sich's wohlschmecken. Herr Potozki hatte nichts gegen ihre Fröhlichkeit, denn er wollte die Soldaten bei guter Laune erhalten, und da in der Stadt und auf dem Schlosse an Munition Überfluß war, gestattete er auch, Salven abzugeben, in der Hoffnung, daß ihr Schall den Feind nicht wenig verwirren werde, wenn er ihn überhaupt hörte.

Herr Michael, der das Herannahen des Abends im Quartier des Generals von Podolien erwartet hatte, bestieg nun ein Pferd und schlich sich in Begleitung eines Burschen nach dem Kloster, um so schnell als möglich seine Gattin zu begrüßen. Aber die List half nichts; man erkannte ihn, und sogleich umringten zahlreiche Haufen sein Pferd. Rufe und Vivats erschallten, die Mütter hoben ihre Kinder in die Höhe. »Seht, das ist er, seht und merkt es euch!« wiederholten viele Stimmen. Man bewunderte ihn außerordentlich; am meisten aber setzte die Leute, die des Krieges unkundig waren, seine winzige Gestalt in Erstaunen. Es wollte dem Völkchen nicht in den Kopf, wie ein so kleiner Mann mit so heiterem Gesicht der gefürchtetste Soldat der Republik sein könne, mit dem sich niemand zu messen wagte. Er aber ritt ruhig durch die Menge und verzog von Zeit zu Zeit lächelnd den Mund, denn es schmeichelte ihm doch. Endlich gelangte er ans Kloster und stürzte in Bärbchens geöffnete Arme.

Sie hatte schon von seinen heutigen Taten und von all' den Meisterhieben gehört, denn soeben war der Herr Kämmerer von Podolien bei ihr gewesen und hatte ihr als Augenzeuge ausführlichen Bericht erstattet. Bärbchen aber hatte gleich zu Beginn der Erzählung alle Frauen im Kloster zusammengerufen, die Fürstin Potozki, die Frauen Makowiezka, Humiezka, Christine Ketling, Chozimirska, Bogusch, und je weiter der Kämmerer in seiner Erzählung fortschritt, desto mehr brüstete sie sich vor ihnen. Michael kam gerade in dem Augenblick, da die Frauen sich getrennt hatten.

Nachdem sie sich lange genug umfangen gehalten, setzte sich der kleine Ritter abgemattet zur Abendmahlzeit nieder. Bärbchen rückte an seine Seite, legte ihm das Essen auf den Teller und goß ihm Bier in den Becher; er aß und trank eifrig, denn er hatte den ganzen Tag fast nichts genossen. Zwischendurch erzählte er auch ein wenig, und Bärbchen hörte mit funkelnden Augen zu, schüttelte nach ihrer Gewohnheit das Köpfchen und fragte wißbegierig:

»Aha! Und dann, und dann?«

»Es sind tüchtige Kerle unter ihnen, aber einen Türken, der fechten kann, trifft man kaum,« sagte der kleine Ritter.