Eine halbe Stunde später machte Michael einen Ausfall an der Spitze der Dragoner und der adligen Freiwilligen, welche hofften, im Zweikampf Ruhm zu ernten. Vom alten Schlosse sah man ganz genau die Kavallerie. Es mochten zweitausend Mann sein, bestehend aus Spahis, in überwiegender Zahl aber aus der ägyptischen Garde des Sultans. In dieser letzteren dienten die reichen und tapferen Mamelucken vom Nil; ihre blinkenden, hell leuchtenden Rüstungen, die goldgestickten Kepis auf ihren Köpfen, die weißen Burnusse und die reich besetzte Waffe machten sie zur glänzendsten Reiterei der Welt. Sie führten Speere, deren Schaft aus Rohr bestand, krumme Damascener und Dolchmesser. Auf ihren Rossen, die wie auf Flügeln des Windes dahinzueilen schienen, flogen sie wie eine buntfarbige Wolke über das Feld, mit lautem Geheul, die mörderischen Spieße in der Hand drehend. Vom Schlosse aus konnte man sich gar nicht satt sehen an ihrem Anblick.

Herr Michael rückte ihnen mit seiner Reiterei entgegen. Indessen kam es zu keiner Schlacht mit blanker Waffe, denn die Schloßkanonen hielten die Türken zurück; sie waren zu groß an Zahl, als daß der kleine Ritter es hätte wagen dürfen, ihnen entgegenzusprengen, um sich mit ihnen außerhalb der Schußlinie seiner Kanonen auseinanderzusetzen. So blieben sie eine Zeitlang fern voneinander, indem sie die Waffe drohend erhoben und aus Leibeskräften schrieen. Endlich wurden die feurigen Söhne der Wüste der leeren Drohungen überdrüssig, einzelne Reiter rissen sich von der großen Masse los und näherten sich dem Feinde, indem sie ihn zum Kampfe aufriefen. Sie zerstreuten sich über das Feld und tauchten hier und da auf, wie Blumen, die der Wind nach allen Richtungen zerstreut hat.

Herr Michael sah sich nach seinen Getreuen um.

»Sie fordern uns heraus, meine Herren, wer versucht den Zweikampf?«

Da sprengte zuerst Herr Wasilkowski, ein feuriger Kavalier hervor, ihm folgte Muschalski, der unfehlbare Bogenschütze, der auch im Handgemenge ein trefflicher Kämpe war; dann folgten Miasga, vom Wappen Prus, der im schnellsten Ritt jeden Ring mit seinem Speere auffing, Theodor Paderewski, und noch viele andere treffliche Kämpfer, auch von den Dragonern ein Häuflein, denn die Hoffnung auf reiche Beute, und besonders die vorzüglichen Pferde der Araber lockten sie. An der Spitze der Dragoner ritt der furchtbare Luschnia; er kaute an seinen Bartenden und suchte sich schon aus der Ferne den Reichsten aus.

Der Tag war schön, und man konnte den Feind deutlich sehen. Die Kanonen auf den Wällen verstummten eine nach der anderen; endlich ward es ganz still, denn die Schützen fürchteten, einen der ihrigen zu verletzen. Sie wollten auch lieber der Schlacht zuschauen, als auf die zerstreuten Kämpfer schießen. Diese ritten nun schrittweise gegen einander los, dann schneller, aber nicht in grader Linie, sondern zerstreut, wie der Zufall es fügte. Endlich, da sie sich um ein bedeutendes genähert hatten, hielten sie die Pferde an und begannen aufeinander zu schimpfen, um Zorn und Mut in ihren Herzen zu wecken.

»Ihr sollt an uns nicht fett werden, Heidenhunde!« riefen die polnischen Kämpfer; »kommt nur heran, euer elender Prophet wird euch nicht schützen!«

Die von drüben schrieen auf türkisch oder arabisch; viele von den polnischen Reitern, die, wie der berühmte Bogenschütze, eine schwere Gefangenschaft durchgemacht hatten, verstanden beide Sprachen. Als nun die Heiden besonders schmachvoll die heilige Jungfrau lästerten, da sträubte sich das Haar auf den Köpfen der getreuen Diener Marias, und sie gaben den Pferden die Sporen, um die Schmach ihres Namens zu rächen.