Wer war es, der den ersten Feind fällte? Es war Muschalski, der den jungen Bey mit dem Purpurkepi und der silbernen Rüstung, die wie Mondschein erglänzte, mit dem Pfeile traf. Das schmerzbringende Geschoß haftete unter dem linken Auge und war bis zur Hälfte in den Kopf gedrungen. Er warf sein edles Haupt zurück, breitete die Arme aus und sank vom Pferde. Der Bogenschütze aber nahm den Bogen zur Seite, sprengte auf ihn zu und durchbohrte ihn noch mit dem Schwerte; dann nahm er ihm die treffliche Waffe, trieb das Pferd zu den Seinigen und sprach in arabischer Sprache:
»Wäre es des Sultans Sohn, er müßte hier faulen, ehe ihr ihm das letzte Geleit spielet!«
Als die Türken und Ägypter das hörten, waren sie außerordentlich gekränkt, und sogleich sprengten zwei Beys auf Muschalski zu. Luschnia vertrat ihnen von der Seite den Weg, einem Wolfe gleich an Blutgier, und traf einen von ihnen auf dem Flecke tödlich; erst hieb er ihm über die Hand, und als jener sich nach dem gekrümmten Säbel neigte, trennte er ihm mit einem gewaltigen Streich in den Nacken fast ganz den Kopf vom Rumpfe. Als der zweite das sah, wandte er sein schnelles Roß zur Flucht; inzwischen aber hatte Muschalski Zeit gehabt, seinen Bogen zu spannen und dem Fliehenden einen Pfeil nachzusenden. Er traf ihn im Laufe und fuhr ihm tief zwischen die Schulterblätter.
Der dritte, der seinen Gegner niederwarf, war Schmlud-Plozki, der ihm mit scharfer Schneide über das Visier fuhr; das Silber und der Sammet, von dem das Blech zusammengehalten wurde, lösten sich bei dem Streiche, und das Ende des Säbels fuhr so tief in die Knochen, daß Schmlud-Plozki es eine Zeitlang nicht herausziehen konnte. Andere kämpften mit wechselndem Glück, aber der Sieg war zum größten Teil auf der Seite des im Einzelkampf geübten Adels. Zwei Dragoner fielen von der Hand des mächtigen Hamdi-Bey, der dann Owsian mit dem krummen Damascener über das Maul hieb und zu Boden streckte. Der Fürst tränkte seinen Heimatsboden mit seinem Blut, Hamdi aber wandte sich Herrn Scheluta zu, dessen Pferd mit einem Fuße in einem Hamsterloche festsaß. Scheluta sah den unfehlbaren Tod vor Augen und sprang vom Pferde, um sich zu Fuß mit dem furchtbaren Reiter zu messen. Aber Hamdi warf ihn mit der Brust seines Pferdes nieder und traf den Sinkenden mit dem Ende seines Damasceners in den Arm. Die Hand erlahmte ihm; der Bey aber sprengte davon und suchte neue Gegner. Nur wenige hatten den Mut, sich ihm zu stellen, so sehr überragte er offenbar alle an Kraft. Der Wind hob seinen weißen Burnus und entfaltete ihn weit wie Flügel eines Raubvogels; seine goldige Rüstung warf einen prächtigen Abglanz auf sein fast völlig schwarzes Gesicht mit den wilden, leuchtenden Augen, der krumme Säbel blinkte über seinem Haupte, wie die Sichel des Mondes.
Der berühmte Bogenschütze hatte schon zwei Pfeile gegen ihn abgesandt, aber beide waren mit stöhnendem Klirren von der Rüstung abgeprallt und wirkungslos ins Gras gesunken. Muschalski erwog nun, ob er noch den dritten Pfeil auf den Hals seines Pferdes abschicken, oder ob er mit seinem Schwerte gegen den Bey losgehen solle. Aber während er darüber nachdachte, hatte ihn jener bemerkt und war zuerst mit seinem schwarzen Hengstfohlen auf ihn losgestürzt.
Sie trafen sich mitten im Felde; Muschalski wollte seine große Kraft zeigen und Hamdi lebendig einfangen. Er schlug von unten her mit einem mächtigen Streich den Damascener in die Höhe, ergriff ihn mit der einen Hand an der Kehle, mit der anderen am Visier und zog ihn mit voller Kraft an sich. Da sprang ihm der Riemen am Sattelholz auseinander, und der unvergleichliche Bogenschütze glitt mit ihm zusammen ab und stürzte zu Boden. Hamdi schlug mit dem Griffe seines Damasceners nach seinem Kopfe und betäubte ihn auf der Stelle. Die Spahis und Mamelucken schrieen vor Freude auf, denn sie waren schon in Sorge um Hamdi gewesen; die Polen aber empfanden tiefes Leid, und die Kämpfer sprengten in dichten Haufen gegeneinander los, die einen, um den Bogenschützen fortzuschleppen, die anderen, um wenigstens seine Leiche zu verteidigen.
Der kleine Ritter hatte bisher an den Einzelkämpfen keinen Anteil genommen; die Würde eines Kommandanten gestattete ihm dies nicht. Da er aber Muschalski unterliegen und Hamdi-Bey triumphieren sah, beschloß er, den Bogenschützen zu rächen und zugleich den Mut der Seinigen zu heben. Von diesem Gedanken belebt, gab er seinem Pferde die Sporen und schoß so schnell dahin, wie der Sperber auf eine Schar Kibitze, die im Roggenfelde nisten. Bärbchen hatte ihn durch das Glas bemerkt; sie stand auf den Zinnen des alten Schlosses und rief sogleich Sagloba, der neben ihr stand, zu:
»Michael, seht Michael!«
»Hier erkennst du ihn,« rief der alte Krieger. »Sieh' nur hin, wo er zuerst losschlägt; fürchte nichts.« Das Glas zitterte in Bärbchens Händen. Da auf dem Felde weder mit Bogen noch mit Büchsen geschossen wurde, sorgte sie selbst wenig um das Leben ihres Gatten, vielmehr hatte sie Eifer, Neugier und Unruhe ergriffen. Ihr Herz und ihre Seele flogen in diesem Augenblick ihrem Gatten zu, ihre Brust atmete schnell, helles Rot übergoß ihr Gesicht; einen Augenblick neigte sie sich über die Zinnen, so daß Sagloba sie um die Hüfte fassen mußte, damit sie nicht in den Graben falle, und schrie:
»Zweie kommen auf Michael los!«