»So gibt es zwei Menschenleben weniger,« sagte Sagloba trocken.

In der Tat, zwei hochgewachsene Spahis warfen sich auf den kleinen Ritter; aus seiner Tracht schlossen sie, daß es ein Mann von Rang sein müsse, und da sie die kleine Gestalt des Reiters sahen, hofften sie leichten Ruhm zu erwerben. Die Törichten! Sie ritten in den sicheren Tod, denn als sie in der Nähe der anderen Reiter sich aneinander schlossen, hielt der kleine Ritter nicht einmal sein Pferd zurück, sondern teilte wie beiläufig zwei Hiebe unter sie aus, scheinbar leichte, wie eine Mutter ihren Kindern so nebenher einen Schlag versetzt. Jene aber sanken zu Boden, krallten die Finger in die Schollen und bebten wie ein paar Luchse, die in demselben Augenblick von tödlichen Pfeilen erreicht werden. Der kleine Ritter aber stürmte vorwärts, den Reitern entgegen, die auf dem Felde tummelten, und richtete furchtbare Verheerungen an. Wie nach Beendigung der Messe der Knabe in die Kirche tritt und mit dem blechernen Hütchen ein Licht nach dem anderen vor dem Altar verlöscht und ihn in dichtes Dunkel hüllt — so verlöschte er rechts und links das Leben der glänzenden türkischen und ägyptischen Reiter und tauchte sie in die Dämmerung des Todes. Die Heiden erkannten den Meister aller Meister, und ihr Mut sank. Einer nach dem anderen warf sein Pferd zurück, um mit dem furchtbaren Manne nicht zusammenzutreffen; der kleine Ritter aber stürmte den Fliehenden nach wie eine wütige Hornisse und traf mit seinem Stachel immer wieder neue Reiter.

Die Soldaten an der Schloßkanone schrieen vor Freude auf, als sie das sahen, einige eilten zu Bärbchen hin und küßten in ihrer Begeisterung den Saum ihres Kleides; andere fluchten den Türken. »Bärbchen, mäßige dich!« rief Sagloba ein über das anderemal, und hielt sie fest; sie aber hatte Lust zu lachen und zu weinen, in die Hände zu klatschen und aufzuschreien, zuzusehen und ihrem Gatten nachzueilen in die Schlacht.

Dieser aber riß die Spahis und die ägyptischen Beys mit sich fort, als plötzlich der Ruf über das ganze Feld erscholl: »Hamdi!« Die Bekenner des Propheten riefen mit lauter Stimme den tüchtigsten ihrer Krieger heran, damit er sich endlich mit diesem furchtbaren kleinen Ritter messe, welcher der verkörperte Tod zu sein schien.

Hamdi hatte schon längst den kleinen Ritter bemerkt, aber da er seine Taten sah, erschrak er im ersten Augenblick. Er scheute sich, den großen Ruhm und das junge Leben gegen diesen Feind aufs Spiel zu setzen, und darum beachtete er ihn absichtlich nicht und ritt am anderen Ende des Feldes umher. Dort hatte er gerade Herrn Jalbrik und Herrn Kos ergriffen, als die verzweifelten Rufe »Hamdi, Hamdi!« an sein Ohr schlugen. Er sah ein, daß es unmöglich war, sich länger zu verbergen, daß er entweder unermeßlichen Ruhm zu gewinnen oder sein Leben zu verlieren habe, und er erhob einen so furchtbaren Schrei, daß alle Abhänge vom Echo widerhallten, und stürmte mit der Schnelligkeit des Windes gegen den kleinen Ritter los.

Wolodyjowski hatte ihn aus der Ferne bemerkt und gab seinem braunen Wallach die Sporen. Die anderen ließen die Waffen ruhen, und Bärbchen hinter den Zinnen des Schlosses ward, da sie alle Siege des furchtbaren Hamdi-Bey mit angesehen hatte, trotz des blinden Vertrauens in die unbesiegbare Kraft des kleinen Ritters ein wenig bleich. Sagloba aber war vollkommen ruhig.

»Ich möchte lieber der Erbe dieses Heiden sein, als er selber,« sagte er zu Bärbchen. Pientka, der getreue Smudzer, war seines Herrn so sicher, daß sein Antlitz auch nicht die geringste Sorge um ihn trübte. Ja, er summte, als er den heranstürmenden Hamdi erblickte, eine Volksweise vor sich hin:

Ei, du dummer, dummer Hund,
Kommt der Wolf aus Waldesgrund,
Und der Wolf ist fürchterlich,
Trolle dich, sonst frißt er dich.

Die beiden Kämpfer waren mitten im Felde unter den Augen der zuschauenden Reihen zusammengetroffen. Aller Herzen standen für einen Augenblick still, — da leuchtete ein schlangenartiger Blitz im hellen Sonnenschein über den Häuptern der Kämpfenden: der krumme Damascener war wie ein von der Sehne geschnellter Pfeil Hamdis Händen entflogen, er selbst neigte sich auf seiner Satteldecke, als sei er vom Schwerte getroffen, und schloß die Augen. Michael aber faßte ihn mit der linken Hand im Nacken und trieb ihn, die Spitze des Rapiers in die Seite stemmend, zu den Seinigen. Hamdi leistete keinen Widerstand; er gab vielmehr selbst dem Pferde die Sporen, denn er fühlte die Spitze zwischen seinem Körper und der Rüstung — und ritt wie betäubt dahin; die Hände hingen ihm kraftlos herab, und aus den Augen traten ihm die Tränen. Michael lieferte ihn in die Hände des schrecklichen Luschnia und wandte sich selbst zum Schlachtfeld zurück.