»Juriza ist ein Hund, der die Instruktionen überschritten hat. Er ließ seine Knaben die weiße Fahne schwenken und wird dafür gerichtet werden. Der Herr Bischof hat privatim angefragt, ob ein Waffenstillstand möglich sei, da aber auch ihr nicht aufgehört habt, während jenes Briefwechsels die Schanzen zu beschießen, was ich selbst bezeugen kann, denn mich haben die herumfliegenden Steine ins Auge getroffen — so hattet ihr auch kein Recht, von uns eine Unterbrechung im Schießen zu verlangen. Kommt ihr jetzt mit dem bewilligten Waffenstillstand, gut, wo nicht, so sagt eurem Herrn, daß wir wie bisher Mauer und Stadt verteidigen werden, bis wir zugrunde gehen, oder, was sicherer ist, bis ihr an diesen Felsen zugrunde gehet. Weiter, meine Lieben, haben wir euch nichts zu sagen, außer dem Wunsche, daß der Herr eure Tage vermehre und euch ein hohes Alter erreichen lasse.«

Gleich nach dieser Unterredung gingen die Abgesandten auseinander. Die Türken kehrten zum Vezier zurück, die polnischen Herren auf das Schloß, wo man sie mit Fragen bestürmte, wie sie die Boten abgefertigt hätten. Sie teilten den Bescheid der Türken mit.

»Ihr nehmt es nicht an, geliebte Brüder,« sagte Kasimir Humiezki, »in kurzen Worten, diese Hunde wollen, daß wir vor dem Abend die Schlüssel der Stadt ausliefern.«

Darauf antworteten zahlreiche Stimmen, eine beliebte Redewendung wiederholend: »Der Heidenhund soll an unserem Fleische nicht fett werden. Wir jagen ihn heim, wir wollen nicht!«

Nach diesem Beschluß gingen sie alle auseinander, und das Geschützfeuer begann sogleich wieder. Den Türken war es schon gelungen, viele schwere Geschütze aufzufahren, und ihre Kugeln fielen über die Brustwehr in die Stadt. Die Kanoniere arbeiteten in der Stadt und in den Schlössern im Schweiße ihres Angesichts den Rest des Tages und die ganze Nacht. Fiel einer, so konnte niemand für ihn eintreten; es fehlte auch an solchen, die Kugeln und Pulver herbeischafften. Erst vor der Abenddämmerung ließ das Getöse etwas nach. Aber kaum begann der Tag zu grauen, kaum zeigte sich am östlichen Himmel der rosige Goldstreif des Morgenrots, als in beiden Schlössern Alarm geblasen wurde. Wer schlief, erwachte; die schlaftrunkene Menge tummelte sich in den Straßen und horchte auf. »Der Sturm bricht los!« sagten die einen zu den anderen und zeigten auf das Schloß, und: »Ist Herr Michael dort?« fragten unruhige Stimmen. »Ja, er ist dort,« antworteten andere.

In den Schlössern wurden die Kapellenglocken geläutet, die Trommelwirbel ertönten von allen Seiten. Im Zwielicht, da die Nacht sich vom Tage schied, und die Stadt verhältnismäßig ruhig war, klangen diese Töne geheimnisvoll und feierlich. In demselben Augenblick bliesen die Türken die Reveille. Von einer Kapelle sprang es zur anderen über, und wie ein Echo durchflog es das ungeheure Lager. Der heidnische Ameisenhaufen begann sich zwischen den Zelten zu regen. Als der Tag anbrach, tauchten aus dem Dunkel die terrassenförmigen Schanzen, die Aufschüttungen und Gräben auf, die sich in langer Zeile um das Schloß herumzogen. Bald brüllten in der ganzen Länge die schweren türkischen Kanonen, mit donnerndem Echo antworteten ihnen die Felsen von Smotrytsch, und das Toben wuchs so entsetzlich an, daß es schien, als hätten am Firmament alle Blitze, die dort lagerten, gezündet und prasselten mitsamt dem Himmelsgewölbe zur Erde. Es war ein Artilleriekampf. Die Stadt und die Schlösser gaben mächtig Antwort; bald verdeckten die Rauchwolken die Sonne, man sah weder die türkischen Befestigungen, noch Kamieniez, man sah nur noch eine riesige, graue Wolke, in der es donnerte und krachte. Aber die Stimme der türkischen Kanonen war dröhnender als die der städtischen. Bald begann der Tod in der Stadt seine Ernte. Einige Kartaunen waren zerstört; von der Bedienung beim groben Geschütz fielen sie zu zweien, zu dreien; dem Franziskaner, der die Schanzen entlang ging und die Kanonen segnete, wurde die Nase und ein Teil vom Munde fortgerissen, neben ihm sanken zwei Juden, kühne Männer, die beim Richten halfen, tot zu Boden.

Aber hauptsächlich trafen die Kanonen in die Schanzen der Stadt. Dort saß Kasimir Humiezki, einem Salamander gleich, im größten Feuer und Rauch; die Hälfte seiner Leute war gefallen, die übrigen waren fast alle verwundet. Er selbst hatte die Sprache und das Gehör verloren, aber er hatte mit Hilfe des polnischen Schulzen die feindliche Batterie wenigstens so lange zum Schweigen gezwungen, bis man an Stelle der alten Kanonen neue gebracht hatte.

Ein Tag verging, ein zweiter, ein dritter, und das entsetzliche »Colloquium« der Geschütze ruhte nicht einen Augenblick. Bei den Türken wechselten die Kanoniere viermal am Tage; in der Stadt aber mußten dieselben Männer ohne Schlaf, fast ohne Speise aushalten, vom Rauch halb erstickt, viele von ihnen von den herumfliegenden Steinen und den Splittern der Lafetten verwundet. Die Soldaten hielten aus, aber den Bürgern sank der Mut; man mußte sie endlich mit Stöcken zu den Kanonen treiben, bei welchen übrigens viele als Leichen niedersanken. Zum Glück wandte sich am Abend und in der Nacht zum dritten Tage, von Donnerstag auf Freitag, der Hauptangriff gegen die Schlösser.

Beide, besonders das alte, wurden mit einem Granatenregen aus den Mörsern überschüttet, der indessen keinen Schaden anrichtete, da in der Finsternis jede Granate sichtbar ist, und der Mensch ihr leicht entrinnen kann. Erst am Morgen, als die Leute eine so große Ermattung erfaßte, daß sie vor Müdigkeit nicht mehr stehen konnten, fielen sie in dichten Haufen.

Der kleine Ritter, Ketling, Myslischewski und Kwasibrozki antworteten auf das türkische Feuer von den Schlössern. Der General von Podolien sah von Zeit zu Zeit nach ihnen und schritt mitten durch den Kugelregen hin, vergrämt und der Gefahr nicht achtend.