»Alles steht gut,« antwortete der kleine Ritter, »nicht eine Granate ist dort geplatzt; der Ort ist abgelegen und sicher.«

»Gelobt sei Gott! Ängstigt sich Christine nicht?«

»Sie ist ruhig, als sei sie daheim. Sie sitzt mit Bärbchen in einer Zelle; Sagloba ist bei ihnen, auch Muschalski ist dort; er hat sein klares Bewußtsein wieder erlangt und bat mich, ihn mit aufs Schloß zu nehmen; aber er steht kaum fest auf seinen Füßen. Ketling, reite du jetzt hin, ich will dich hier vertreten.«

Ketling hatte Michael erwartet, denn sein Herz zog ihn zu seiner geliebten Christine, und er ließ sofort sein Pferd bringen. Aber ehe es kam, fragte er noch den kleinen Ritter aus, was es in der Stadt gäbe.

»Die Bürger löschen das Feuer mit großem Mut,« antwortete der kleine Ritter; »aber die weisen armenischen Kaufleute haben, als sie ihre Waren in Flammen aufgehen sahen, eine Deputation an den Bischof geschickt und drängen ihn, die Stadt zu übergeben. Da ich das hörte, ging ich in den Rat, obgleich ich mir versprochen hatte, nie wieder hinzugehen. Dort schlug ich einem, der am dringendsten die Übergabe forderte, ins Gesicht; der Bischof sah mich dafür schief an. Schlimm, Bruder; den Leuten sinkt der Mut immer mehr, und immer wohlfeiler erscheint ihnen unser Verteidigungswerk. Sie tadeln uns, sie loben uns beileibe nicht, sie sagen, wir setzen die Stadt unnütz der Gefahr aus. Ich habe auch gehört, daß sie über Makowiezki hergefallen sind, weil er sich den Verhandlungen widersetzt hat. Der Bischof selbst hat gesagt: »Wir verraten weder den Glauben, noch den König, was kann uns der Widerstand noch nützen?« Du siehst, die Tempel sind geschändet, ehrliche Mädchen der Schande preisgegeben, unschuldige Kinder in die Sklaverei geführt, durch Unterhandlung aber — sagte er — können wir noch ihr Schicksal wenden und uns freien Abzug sichern.« So sagte der Bischof, und der General schüttelte den Kopf und wiederholte: »O, fände ich lieber den Tod — aber es ist wahr!«

»Gottes Wille geschehe!« antwortete Ketling.

Michael rang die Hände. »Wenn es noch wahr wäre!« schrie er auf, »aber Gott ist unser Zeuge, daß wir uns wohl verteidigen können.«

Inzwischen war das Pferd gebracht. Ketling saß eilig auf, Michael aber rief ihm noch auf den Weg nach:

»Vorsicht! Auf der Brücke dort fallen die Granaten in dichten Haufen!«