Wieder entstand ein Schweigen, nur unterbrochen von dem Röcheln oder Schluchzen Sterbender und von dem Widerhall der Spitzhacken.
Man wartete ziemlich lange; endlich kam der Wachtmeister zurück.
»Herr Kommandant,« sagte er, »im neuen Schloß ist keine lebende Seele.«
Michael blickte Ketling erstaunt an.
»Sollten sie von der Belagerung abgelassen haben? Durch den Rauch kann man nichts sehen.«
Plötzlich wurde der Rauch von einem Windstoß zerteilt, und der dichte Wolkenschleier über der Stadt zerriß; in diesem Augenblick schrie eine gellende Stimme von der Bastei herab:
»Auf den Toren stecken weiße Fahnen, wir ergeben uns!«
Als die Soldaten und Offiziere das hörten, wandten sie sich zur Stadt zurück. Ein sprachloses Erstaunen lag in ihren Zügen, die Worte erstarben ihnen auf den Lippen, und sie schauten durch die Rauchsäulen nach der Stadt.
In der Tat, auf dem reußischen und dem lechischen Tore wehten Fahnen; eine weitere sah man noch auf der Bastei Bathory.
Da wurde das Gesicht des kleinen Ritters so weiß wie jene Fahne, die in der Luft flatterte.