Die Glocken tönten, am Hochaltar war die Messe beendet. Die Stimme des Priesters schallte laut, als rufe er aus dem Abgrund: »Requiescat in pace!« Ein Fieberschauer schüttelte Bärbchen, und in ihrem wirren Kopfe lebte nur ein Gedanke: Jetzt ... jetzt tragen sie ihn fort! — Aber das Ende der Feierlichkeit war noch nicht gekommen. Die Ritterschaft hatte zahlreiche Reden vorbereitet, die gehalten werden sollten, wenn der Sarg ins Grab gesenkt würde. Jetzt bestieg Priester Kaminski die Kanzel, derselbe, der in Chreptiow bei ihnen gewesen war, und der während Bärbchens Krankheit sie auf den Tod vorbereitet hatte.
Die anwesende Menge räusperte sich und hustete, wie dies gewöhnlich vor der Predigt geschieht; dann verstummte sie, und aller Augen richteten sich auf die Kanzel.
Da ertönte von der Kanzel Trommelwirbel.
Die Zuhörer waren erstaunt. Der Priester Kaminski schlug die Trommel wie zum Sturme. Plötzlich brach er ab, und es entstand Totenstille. Wieder ein Wirbel ... ein dritter; plötzlich warf Kaminski die Schlegel auf den Boden der Kirche, erhob beide Hände zum Himmel und rief:
»Herr Oberst Wolodyjowski!«
Ein krampfhafter Schrei Bärbchens antwortete ihm, es ward entsetzlich drückend in der Kirche; Sagloba richtete sich auf und trug, von Muschalski unterstützt, das ohnmächtige Weib aus der Kirche.
Der Priester aber rief von neuem:
»Um des Himmels willen, Herr Wolodyjowski, der Sturm bricht los ... in den Krieg! ... der Feind ist im Lande, — und du greifst nicht zu den Waffen, du fassest nicht das Schwert, du steigst nicht zu Roß ... was ist dir geschehen, Krieger? Hast du der alten Tugend vergessen, daß du uns allein in Harm und Angst zurücklässest?«
Die Brust der Ritter bebte, und ein allgemeines Weinen erfüllte die Kirche und wurde immer wieder vernehmbar, als der Priester die Tugenden, die Vaterlandsliebe und den hohen Mut des Verstorbenen pries, und auch den Priester selbst rissen die eigenen Worte fort. Sein Gesicht war bleich, seine Stirn von Schweiß bedeckt, seine Stimme bebte. Ihn riß der Schmerz um den kleinen Ritter hin, der Schmerz um Kamieniez, der Schmerz um die Republik, die in die Hände der Bekenner des Halbmondes ausgeliefert war, und er schloß seine Rede mit dem Gebet:
»O Herr, die Kirchen werden sie in Moscheen verwandeln und den Koran absingen, wo bisher das Evangelium gepredigt wurde. Du hast uns in Leid versenkt, Herr, du hast dein Antlitz von uns gewandt und hast uns in die Hand des niedrigen Türken gegeben. Unerforschlich, Herr, sind deine Wege! Aber wer wird ihm jetzt Widerstand leisten, welches Heer wird ihn bekämpfen an den Grenzen? Du, dem nichts in der Welt verborgen ist, du weißt am besten, daß unsere Reiterei unübertroffen ist. Und solcher Verteidiger begibst du dich, in deren Schutz und Schirm die ganze Christenheit deinen Namen rühmen konnte! Allgütiger Vater, verlaß uns nicht, erweise uns dein Erbarmen, schicke uns den Verteidiger herab, schicke den Überwinder Mahomeds herab! O, lasse ihn hierherkommen, laß ihn unter uns treten, daß er die gesunkenen Herzen erhebe! Sende ihn herab, o Herr!«