In diesem Augenblick entstand eine Bewegung an der Pforte, und in die Kirche trat der Hetman Sobieski. Aller Augen richteten sich auf ihn, und ein Schauer schüttelte die Menschen; er schritt mit klirrenden Sporen auf den Katafalk zu, majestätisch und gewaltig, mit den Zügen eines Cäsar. Eine Schar gepanzerter Ritter folgte ihm.
»Salvator!« rief ihm der Priester mit prophetischer Begeisterung zu.
Sobieski kniete an dem Katafalk nieder und betete für Wolodyjowskis Seele.
Epilog.
Ein Jahr und darüber war verflossen nach dem Falle von Kamieniez; die Zwietracht der Parteien verstummte allmählich, und die Republik raffte sich endlich zur Verteidigung ihrer östlichen Grenzen als Angreiferin auf. Der große Hetman Sobieski ging mit einundreißigtausend Mann, Berittenen und Fußvolk, in die Lande des Sultans nach Chozim, um die bei weitem zahlreicheren Heerscharen Hussein-Paschas anzugreifen, welche bei dieser Festung standen.
Schon der Name Sobieski war dem Feinde furchtbar; er hatte in diesem Jahre, welches dem Falle von Kamieniez folgte, mit einigen tausend Soldaten solche Taten vollbracht, die ungezählten Scharen des Pascha dermaßen gelichtet, so viele Tatarenhaufen aufgerieben, so vielen Gefangenen die Freiheit zurückgegeben, daß der alte Hussein, obgleich die Zahl seiner Heere größer war, obgleich er an der Spitze einer trefflich geübten Linie stand, obwohl er durch Kaplan-Pascha unterstützt wurde, nicht wagte, dem Hetman im offenen Felde die Stirn zu bieten, und beschloß, sich in einem verschanzten Lager zu verteidigen.
Der Hetman umringte das Lager mit seinen Heeren, und es war allgemein bekannt, daß er die Absicht habe, es im ersten Ansturm zu nehmen. Zwar meinten viele, es sei in der Geschichte der Kriegstaten ein unerhörtes Unternehmen, sich mit dieser kleineren Macht gegen die große zu wagen, die überdies durch Wälle und Gräben geschützt war. Hussein hatte hundertzwanzig Kanonen, im ganzen polnischen Lager waren nur fünfzig. Das türkische Fußvolk übertraf die Macht des Hetmans dreifach. Von Janitscharen allein, die im Handgemenge so furchtbar waren, standen in den türkischen Verschanzungen über achtzehntausend; aber der Hetman glaubte an seinen Stern, an den Zauber seines Namens — und endlich auch an die Heere, die er führte.