Seine Regimenter waren geprüft und gehärtet im Feuer; es waren Leute, die von Jugend auf im Kriegslärm gelebt, die unzählige Kriegszüge, Unternehmungen, Belagerungen, Schlachten mitgemacht hatten. Viele von ihnen erinnerten sich noch der furchtbaren Zeiten Chmielniezkis, an Sbarasch und Berestetschs, viele hatten alle schwedischen, reußischen, moskowitischen, den Bürgerkrieg, den dänischen und ungarischen Krieg überdauert. Da gab es Herren und Troßvolk, Veteranen, Soldaten aus den Grenzwarten, für welche der Krieg der gewöhnliche Zustand, die gewohnte Lebensweise geworden war. Unter dem Wojewoden von Reußen standen fünfzehn Fahnen Husaren, eine Reiterei, die selbst Ausländer für unvergleichlich hielten, und an deren Spitze der Hetman schon nach dem Falle von Kamieniez den zerstreuten Tatarenhaufen soviel zu schaffen gemacht hatte. Es kämpften endlich auch Bauern zu Fuß mit, welche sich ohne Schuß mit den Kolben auf die Tataren warfen.

Der Krieg hatte diese Leute in die Zucht genommen, denn er hatte in der Republik ganze Geschlechter auferzogen; sie waren aber bis heute zerstreut oder standen in Diensten feindlicher Parteien. Jetzt, da sie die innere Eintracht in einem Lager und unter einem Kommando zusammenhielt, hoffte der Hetman, mit ihnen die Übermacht Husseins und den nicht minder übermächtigen Kaplan zu erdrücken. Geführt wurden die Leute von erprobten Führern, deren Namen gleichfalls in die Annalen der letzten Kriege eingetragen waren, in der wechselvollen Reihe von Niederlagen und Siegen.

Der Hetman selbst glich einer Sonne, stand an der Spitze aller und regierte Tausende mit seinem Willen. Und wie hießen die anderen Führer, die in diesem Lager von Chozim unsterblichen Ruhm erringen sollten?

Es waren zwei litauische Hetmane, der Hetman Paz und der Feldhetman Michael Kasimir Radziwill. Diese hatten sich wenige Tage vor der Schlacht mit den Kronheeren verbunden und standen jetzt unter Sobieskis Befehl auf den Anhöhen, welche Chozim mit Swaniez verbinden. Zwölftausend Krieger, darunter zweitausend auserwähltes Fußvolk gehorchten ihrem Befehl. Vom Dniestr gen Süden standen die verbündeten walachischen Regimenter, die am Tage vor der Schlacht das türkische Lager verlassen hatten, um sich mit den Christen zu vereinigen; neben den Walachen stand mit der Artillerie Kontski, unvergleichlich in der Eroberung befestigter Plätze, im Aufschütten von Wällen und in der Richtung von Kanonen. In fremden Ländern hatte er sich in dieser Kunst geübt, aber bald übertraf er in ihr seine Lehrer. An Kontski schlossen sich die reußische und die masurische Infanterie Koryzkis an, dann kam der Feldhetman Dimitr Wischniowiezki, des kranken Königs Vetter. Er hatte die leichte Reiterei unter sich; neben diesen hatte sich mit den eigenen Fahnen zu Fuß und zu Pferde Andreas Potozki aufgestellt, einst des Hetmans Gegner, heute ein Verehrer seiner Größe. An ihn und Koryzki schlossen sich unter Führung Jablonowskis, des reußischen Wojewoden, fünfzehn Husarenfahnen in leuchtenden Panzern und Helmen, die drohende Schatten über die Gesichter warfen. Ein Wald von Speeren starrte über ihnen, sie aber standen ruhig, in sicherem Vertrauen auf ihre unerschütterliche Kraft, in der festen Überzeugung, daß die Entscheidung des Sieges bei ihnen liege.

Weniger hervorragende Krieger — nicht an Mut, wohl aber an Bedeutung — waren der Burgvogt Luschezki von Podlachien, dem die Türken in Bodsanow einen Bruder enthauptet hatten, wofür er ihnen ewige Rache geschworen, der Kronfeldsekretär Stephan Tscharniezki, des großen Stephan Bruderssohn; er war es, der während der Belagerung von Kamieniez bei Golembin an der Spitze eines Adelshaufens, der auf der Seite des Königs stand, beinahe einen Bürgerkrieg erregt hätte; jetzt strebte er, durch Mut auf einem besseren Kampfplatze zu glänzen. Ebenso waren Gabriel Silnizki, dem das Leben im Kriege dahingegangen war und das Alter schon das Haupt gebleicht hatte, und viele andere Wojewoden und Burgvögte aus den früheren Kriegen, weniger bekannt, weniger berühmt, aber um so mehr nach Ruhm begierig.

Unter der Ritterschaft leuchtete, wenn auch nicht mit der Würde eines Senators angetan, über alle anderen Skrzetuski, der berühmte Kämpfer von Sbarasch, ein Soldat, den man der Ritterschaft zum Muster vorhielt, ein Mitkämpfer in allen Kriegen, welche die Republik seit dreißig Jahren geführt hatte. Ehrwürdiges Grau bedeckte ihm das Haupt, aber dafür umgaben ihn sechs Söhne, an Kraft sechs Ebern ähnlich; die älteren von ihnen kannten den Krieg schon, die beiden jüngeren sollten jetzt die Feuertaufe erhalten, und darum glühten sie von solcher Schlachtbegier, daß der Vater mit besonnenen Worten ihre Ungeduld zügeln mußte.

Mit großer Hochachtung sahen die Genossen auf den Vater und die Söhne; noch größere Bewunderung aber erweckte Jarozki, der auf beiden Augen blind war, wie einst König Johann von Böhmen, und nichtsdestoweniger mutig in den Krieg zog.

Er hatte weder Kinder noch Anverwandte; die Knechte führten ihn am Arme, und er hegte nur die Hoffnung, in der Schlacht das Leben zu lassen, dem Vaterland zu dienen und Ruhm zu erwerben. Da war auch Rschetschyzki, dem Vater und Bruder in diesem Jahre gefallen waren, Motowidlo, der, kaum der tatarischen Sklaverei entflohen, sogleich wieder ins Feld zog, Seite an Seite mit Herrn Myslischewski. Der erstere wollte sich für die Sklaverei rächen, der zweite für die Schmach, die er in Kamieniez erfahren hatte, wo ihn die Janitscharen gegen Vertrag und Adelswürde mit Stöcken geschlagen hatten. Es waren auch ältere Ritter aus den Grenzwarten am Dniestr da, der verwilderte Ruschtschyz und der unvergleichliche Bogenschütze Muschalski; dieser war heil aus Kamieniez hervorgegangen, da ihn der kleine Ritter mit der Meldung zu seiner Gattin geschickt hatte; endlich Snitko, Nienaschyniez, Hromyka, und der Unglücklichste von allen, der junge Nowowiejski.

Ihm hatten selbst Freunde und Verwandte den Tod gewünscht, denn es gab für ihn keinen Trost mehr; nachdem er genesen war, hatte er ein ganzes Jahr hindurch mit Glück die Tatarenhaufen bekriegt, besonders wütend die Lipker verfolgend. Nachdem Krytschynski Motowidlo aufgerieben hatte, folgte er ihm durch ganz Podolien, ließ ihn nicht zu Atem kommen und saß ihm furchtbar schwer im Nacken. Bei diesen Unternehmungen ergriff er Adurowitsch und ließ ihm das Fell abziehen; den Gefangenen ließ er weder Speise noch Trank zukommen; — aber er empfand dennoch keinen Trost in seinem Leid. Einen Monat vor der Schlacht trat er in die Reiterei des Wojewoden von Reußen ein.

Mit solcher Ritterschaft stand Sobieski vor Chozim. Für die Schmach, die der Republik angetan war, in erster Reihe aber auch für ihre eigene Schmach wollten diese Krieger Rache nehmen; denn in den beständigen Kämpfen mit den Heiden hatte wohl ein jeder in diesem blutgetränkten Lande ein geliebtes Haupt verloren, trug wohl ein jeder eine Erinnerung an ein furchtbares Unglück in seinem Busen. Der Großhetman eilte zur Entscheidung, denn er sah, daß die Mordlust in den Herzen seiner Soldaten der Begierde einer Löwin glich, welcher leichtfertige Jäger die Jungen raubten.