Am 9. November 1673 begannen die Einzelkämpfe. Scharen von Türken kamen am frühen Morgen aus den Verschanzungen hervor; Scharen polnischer Ritterschaft eilten ihnen kampfbegierig entgegen. Auf beiden Seiten gab es Tote; der größere Verlust aber war auf der türkischen Seite. Von hervorragenden Türken oder Polen fielen nur wenige. Herrn Maj durchbohrte gleich zu Beginn des Treffens ein hühnenhafter Spahi mit dem krummen Schwert; aber der jüngste Skrzetuski schlug ihm mit einem Streich fast den Kopf vom Rumpfe und erwarb dafür das Lob des besonnenen Vaters und großen Ruhm.

So traf man sich zu Haufen oder einzeln, und denen, welche dem Kampfe zusahen, wuchs der Mut und die Kampfbegier. Inzwischen stellten sich die Abteilungen des Heeres rings um das türkische Lager auf, wo ihnen der Hetman die Plätze anwies. Er selbst stand hinter dem Fußvolk Koryzkis auf dem alten Wege nach Jassy und umfaßte mit den Augen das ganze ungeheure Lager Husseins. Auf seinem Antlitz lag die ungetrübte Ruhe, die den Meister kennzeichnet, der seiner Kunst sicher ist, ehe er an das Werk schreitet. Von Zeit zu Zeit schickte er Ordonnanzen mit Befehlen aus und sah nachdenklich dem Kampfe der einzelnen zu. Gegen Abend kam der Wojewode von Reußen zu ihm.

»Die Wälle sind so ausgedehnt,« sagte er, »daß es unmöglich ist, sie gleichzeitig von allen Seiten zu stürmen.«

»Morgen werden wir auf den Wällen sein, und übermorgen werden wir diese Mannschaften niederhauen,« sagte ruhig Sobieski.

Inzwischen brach die Nacht herein. Die Kämpfer zogen sich zurück, der Hetman befahl allen Abteilungen, in der Dunkelheit sich den Wällen zu nähern. Hussein wollte dies nach Kräften verhindern, indem er aus Kanonen großen Kalibers schoß; aber vergeblich. Am Morgen gingen die polnischen Abteilungen wieder ein wenig vorwärts; die Fußsoldaten begannen kleine Schanzen aufzuschütten, einige Regimenter drangen bis auf einen guten Pfeilschuß heran. Da gaben die Janitscharen ein tüchtiges Feuer, auf Befehl des Hetmans erwiderte man jedoch dieses Feuer fast gar nicht, das Fußvolk rüstete vielmehr zu einem Angriff auf Kolben. Die Soldaten erwarteten nur den Befehl, um loszustürmen. Über ihre langgezogene Linie flogen pfeifend und surrend die Kartätschen. Kontskis Artillerie, die in der Dämmerung den Kampf begonnen hatte, war bisher nicht eine Minute verstummt; nach der Schlacht erst zeigte sich, welche furchtbaren Verwüstungen ihre Geschosse angerichtet hatten, die gerade dort niedergefallen waren, wo die Zelte der Spahis und Janitscharen am dichtesten standen.

So war der Mittag herangekommen; aber da der Tag kurz war, ein Novembertag, so tat Eile not. Plötzlich erklangen alle Trommeln, Kesselpauken und Krummhörner, aus tausend Kehlen erscholl es in einem Rufe, und das Fußvolk, unterstützt von der leichten nachfolgenden Reiterei, stürmte in dichter Masse zum Angriff.

Von fünf Seiten gleichzeitig erfolgte der Angriff auf die Türken. Johann von Dänemark, Christophorus de Bohan, alles erfahrene Krieger, führten die ausländischen Regimenter. Der erstere, von leichter Erregbarkeit, stürmte so wütend vorwärts, daß er vor den anderen an die Wälle gelangte, und das Regiment nahezu ins Verderben geführt hätte, da er die Salve von vielen tausend Büchsen ertragen mußte. Er selbst fiel; die Soldaten begannen zu wanken, aber gerade in diesem Augenblick kam ihnen de Bohan zu Hilfe und verhinderte die Auflösung. Er hatte mit ruhigem Schritte, wie bei der Musterung und als folge er dem Takte der Kapelle, die ganze Fläche bis zu den türkischen Wällen durchmessen, antwortete auf die Salve, und als der Graben mit Faschinen gefüllt war, durchschritt er ihn zuerst unter einem Hagel von Kugeln, grüßte die Janitscharen mit dem Hute und traf zuerst ihren Fahnenträger. Die Soldaten, angeeifert durch das Beispiel eines solchen Führers, eilten vorwärts, und ein furchtbares Ringen begann, in welchem Zucht und Übung mit dem wilden Mut der Janitscharen um die Palme stritt. Die Dragoner führten von der Wiese her Taraban Tetwin und Dönhoff, das zweite Regiment Aswer Greben und Hajdepohl, alles treffliche Krieger, die außer Hajdepohl noch unter Tscharniezki in Dänemark unermeßlichen Ruhm errungen hatten. Die Mannschaften waren stämmig, kräftig, aus den Leuten in den königlichen Besitzungen gewählt, ausgezeichnet geübt im Kampfe zu Fuß und zu Pferd. Die Tore verteidigten gegen sie die Dschamaken, das sind die irregulären Janitscharen; sie gerieten, obgleich ihre Haufen ungeheuer groß waren, alsbald in Unordnung, sie wichen zurück, und als es zum Handgemenge kam, verteidigten sie sich nur insoweit, als sie keinen Platz zum Rückzuge hatten. Dieses Tor wurde zuerst erobert, und von hier konnte die Reiterei in das Innere des Lagers eindringen.

An der Spitze des polnischen Landfußvolkes stürmten an drei anderen Stellen gegen die Wälle Kobylezki, Schebrowski, Piotrkowtschik und Galezki. Der fürchterlichste Kampf wütete am Haupttore, das auf den Weg nach Jassy hinausführte, wo die Masuren mit der Garde Hussein-Paschas zusammengestoßen waren. Um dieses Tor war es ihm hauptsächlich zu tun, denn hier konnte die polnische Reiterei ins Lager gelangen. Darum beschloß er, es hartnäckig zu verteidigen, und trieb immer neue Janitscharen-Abteilungen dorthin. Die polnische Infanterie hatte das Tor schnell erobert und strengte nun alle Kräfte an, um es zu behaupten; die Kanonen und ein Hagel von Büchsenkugeln trieb sie zusammen, und aus den Rauchwolken traten immer neue anstürmende Kriegerscharen hervor. Da warf sich Kobylezki, ohne ihr Herannahen abzuwarten, wie ein wütender Bär ihnen entgegen, und zwei Menschenmauern trafen aufeinander, drängten, wogten in Blutströmen und auf Leichenhügeln hin und her. Man kämpfte mit jeglicher Waffe, mit Säbeln, Messern, Kolben, Musketen, Spaten, Stangen, Achsen, man warf sich mit Steinen, manchmal entstand ein solches Gedränge, daß sich die Menschen um die Hüften faßten und mit Faust und Zähnen kämpften. Hussein versuchte zweimal mit Hilfe eines gewaltigen Reiterangriffs das Fußvolk zu durchbrechen, aber die Infanterie trat ihm jedesmal mit so außergewöhnlicher Entschiedenheit entgegen, daß er sich in Unordnung zurückziehen mußte. Endlich erbarmte sich Sobieski ihrer und schickte ihnen den gesamten Lagertroß zu Hilfe.

An der Spitze stand Motowidlo; der Haufe, der gewöhnlich nicht in der Schlacht verwendet wurde und schlecht bewaffnet war, stürmte jedoch mit solcher Kampfeslust vorwärts, daß er selbst die Bewunderung des Hetmans herausforderte; vielleicht, daß sie die Beutegier anfeuerte, oder daß die Begeisterung, die an diesem Tage das ganze Heer belebte, auch sie ergriff, genug, sie stürmten so mächtig gegen die Janitscharen, daß sie diese gleich auf die Entfernung eines Bogenschusses vom Tore zurücktrieben. Hussein warf neue Regimenter in das Kampfgewühl, und der Kampf, der sich im Augenblick erneuerte, dauerte ganze Stunden. Aber in dieser Zeit hatte Koryzka an der Spitze der ausgewählten Regimenter das Tor tüchtig besetzt, und aus der Ferne kamen die Husaren wie ein riesiger Vogel, der sich schwerfällig zum Fluge erhebt, heran, und näherten sich allmählich dem Tore. Gleichzeitig kam eine Ordonnanz zum Hetman von der Westseite des Lagers her.