Als Alfried Krupp das 70. Lebensjahr überschritten hatte, begann sich doch allgemach das Alter fühlbar zu machen. Mit regem Eifer verfolgte er zwar noch die Weiterentwickelung seines Werkes; mit gewohntem Arbeitsdrang brachte er noch in schlaflosen Stunden der Nacht seine Gedanken und Pläne in Worten und Zeichnungen zu Papier, so daß auch jetzt weder dieses noch seine großen Bleistifte neben seinem Bette fehlen durften; und diese Zettel wanderten noch immer früh Morgens zur Fabrik, um in kurzen Worten und Skizzen des Meisters Verfügungen bekannt zu geben; aber er selbst bestieg immer seltener sein Pferd, um nach Essen zu reiten, und selbst seine Besuche im Wagen wurden in den letzten Jahren zu einer Seltenheit; er entbot sich die Beamten zur Villa „Hügel”, wenn es etwas zu besprechen gab. Es mußte ihm schon recht schwer werden, wenn dieser Mann der unermüdlichen Thätigkeit sich an seine Wohnung fesseln ließ. Als es Dr. Schweninger gelang, seinen Sohn Friedrich Alfred von einem langjährigen asthmatischen Leiden zu befreien, wandte er sich 1885 an ihn auch mit der Bitte, seine zunehmenden Gebrechen zu behandeln. Obgleich er nun einer grundsätzlichen Veränderung der bisherigen Lebensweise sich unterwerfen mußte, folgte er den Rathschlägen Schweningers mit Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit in der ausgesprochenen Hoffnung, „daß er ihn noch zwanzig Jahre halten werde.” Er hing am Leben und war mit seinen Plänen noch lange nicht zu Ende; faßte er doch noch im letzten Lebensjahre den Plan zum Bau einer mächtigen hydraulischen Presse, welche, nach seiner Idee ausgeführt, noch den Riesenhammer Fritz an Leistungen übertreffen sollte. Auch schien die neue Lebensweise einige Zeit sich vorzüglich zu bewähren; er fühlte sich erfrischt und gekräftigt. Aber im Frühjahr 1887 machte sich ein schnellerer Verfall der Kräfte bemerklich, seit Juni fesselte ihn die zunehmende Schwäche ans Bett und am Nachmittag des 14. Juli schlummerte er sanft zu einem anderen Leben hinüber.
Ein Mann von der Weltbedeutung Krupps konnte nicht aus dem Leben gehen, ohne daß die wissenschaftlichen und militärischen Kreise aller Kulturstaaten ihm Gedächtnißkränze in Nekrologen und anerkennenden Abhandlungen widmeten; ohne daß die Fürsten und großen Staatsmänner ihm Palmzweige und Kränze aufs Grab legten und dem hinterbliebenen Sohne ein gnädiges, theilnehmendes Wort sandten; ohne daß die Stadt Essen ihrer sehr berechtigten Trauer um ihren „größten Bürger” einen gebührenden Ausdruck gab; ohne daß endlich die Angestellten der Fabrik eine großartige Trauerfeier veranstalteten. Unter den zahlreichen Telegrammen seien nur zwei, als besonders werthvoll, hervorgehoben, weil sie eine Anerkennung durch die beiden Persönlichkeiten enthalten, welche um unser deutsches Vaterland die höchsten Verdienste sich erworben haben, welche für ewige Zeiten als Gründer des deutschen Reiches im Herzen jedes echten Deutschen leben werden. Es ist ein Telegramm des Kaisers Wilhelm I.:
„Mainau, 14. Juli 1887.
Dem Herrn Friedrich Alfred Krupp in Essen, Ruhr.
Für Ihre Mittheilung aufrichtig dankend, spreche Ich Ihnen Meine aufrichtige Theilnahme aus bei dem Hintritt Ihres Vaters, denn Sie wissen, wie hoch Ich denselben geschätzt habe, da er sich mit Kunst einen europäischen Namen erworben hat und für unser eigenes Vaterland von unendlicher Wichtigkeit gewesen ist.
Wilhelm, Imperator Rex.”
und eins des Fürsten Bismarck:
„Varzin, den 15. Juli 1887.
Herrn Friedrich Alfred Krupp, Essen.
Bei meiner Ankunft hier finde ich Ihr Telegramm von gestern, aus dem ich mit herzlicher Theilnahme ersehe, welchen schweren Verlust Sie und mit Ihnen die Industrie erlitten, die Ihr Herr Vater in seinem Leben zur ersten in der Welt erhoben hat.