In aller Früh reißt es mich aus dem Schlaf. Und auf und fort! Der Sebastian spricht:
Sehn wir die Altertümer dieser Stadt!
Laßt uns unsere Augen weiden
Mit den Denkmälern und berühmten Dingen,
So diese Stadt besitzt.
Und kaum ist der Sebastian still, spricht mich Malvoglio, spricht mich die zärtlich verbuhlte Gräfin an, und das alte Stück geht mir in allen Gassen nach. Ich lache mich aus, um es abzuschütteln. Aber überall ist die Luft hier von ihm voll.
Diese Stadt sitzt in einem Palast. Ein alter Mann hat seiner Einsamkeit ein Haus gebaut, und in dieses Haus haben sich dann dreitausend Menschen versteckt. Der Tote wehrt sich immer noch und will allein sein. Aber die Lebenden fragen nicht und zwängen sich durch und überall ist Lärm. In die starken alten Mauern haben sie kleine Fenster gebrochen, und blühende Blumen hängen heraus, und lachende Lippen grüßen herab. Ein ungeheures Beispiel starker Menschen ist's, die nichts achten als ihr eigenes drängendes, schwellendes, brennendes Leben. Es gibt keine Stadt, in der der Ruf des Lebens stärker ist. Von hohen Türmen, aus tiefen Kellern, in engen Gassen, zwischen Säulen, durch Tore jauchzt taumelnd das Leben. Hier sind kaum vierzigtausend Menschen, aber man glaubt sich unter hunderttausenden. So laut dröhnt der Schritt des Lebens hier.
Nur der Bezirkshauptmann hört es noch nicht.
Es leidet mich nicht, vor alten Kapitälen zu stehen und an den toten Diokletian zu denken. Die drängende, stoßende, treibende Menge nimmt mich auf und hüllt mich ein und reißt mich mit. Herrlich, sich so zu verlieren, nichts mehr von sich zu wissen, nichts mehr zu spüren als einen starken großen stillen Strom! Und während rings um mich, in einer Sprache, die mir unbekannt ist, das Leben spricht, fällt mir ein alter Spruch des weisen Schlesiers ins Gemüt: