[Besondere, als Verunreinigungen im Getreidemehl vorkommende Gebilde.]

Im Getreidemehl können vorkommen: Mutterkornmehl (Claviceps purpurea Tulasne); ferner die Sporen des Flug- oder Russbrandes (Ustilago Carbo Tulasne oder Uredo segetum), des Schmierbrandes, Weizenbrandes oder Steinbrandes (Tilletia Caries Tulasne oder Uredo sitophila).

[Fig. 68.]

ab Ein Theil der Schnittfläche aus dem Spermogoniumlager des Mutterkornpilzes.

(vergr.)

a Hyphen; b Keimhaut (hymenium) mit Spermatien oder Stylosporen; c Spermatien; d Keimschläuche treibende Spermatien (sämmtlich vergr.).

Der Mutterkornpilz wuchert auf verschiedenen Gramineen, besonders auf Aehren des Roggens. Dieser Kernpilz durchläuft drei wesentlich unterschiedene Entwickelungsstadien. Im ersten Stadium tritt er zur Zeit der Roggenblüthe als sogenannter Honigthau auf, nämlich als ein zäher gelblicher süsser Schleim von unangenehmem Geruche. In diesem Honigthau beobachtet man unter dem Mikroskop unzählige Spermatien (Stylosporen). Er ist eine Absonderung eines Mycelium (Trieblagers), dessen Hyphen (Fäden, Flocken) den unteren Theil des jugendlichen Fruchtknotens der Getreideblüthe allseitig durchziehen. Dieser Fruchtknotenkörper zeigt innen Lücken und aussen verschieden gewundene Falten und Vertiefungen, ein Spermogoniumlager darstellend. Aus der zelligen Schlauchschicht oder Keimhaut, welche jene Falten und Vertiefungen auskleidet, erheben sich gedrängt stehende basidienähnliche Schläuche, an deren Spitze sich eine Kette kleiner länglich-ovaler Zellen, Spermatien oder Stylosporen, abschnüren. Mycelium und Spermatien erscheinen nach dem Austrocknen der klebrigen Flüssigkeit wie ein weisses, den Fruchtknoten bedeckendes Pilzgewebe.

Das zweite Entwickelungsstadium des Mutterkornpilzes liefert in einem sterilen Stroma das in den Apotheken gebräuchliche und allgemein bekannte Mutterkorn, dessen Genuss im Getreidemehle oder im Brote Ursache der sogenannten Kribbelkrankheit sein soll.

[Fig. 69.]