Mutterkornpilz im 2. Entwickelungsstadium.
- Roggenfrucht von Hyphen des Mutterkornpilzes durchsetzt und ein Mycelium bildend
(Verticaldurchschnitt, 1½fache Linearvergrösserung). a Ansatz des sterilen Fruchtlagers
(Sclerotium).
- Aehrentheil des Roggens mit einem Mutterkorn (Sclerotiumstroma). Natürliche Grösse.
- Verticaldurchschnitt (4fache Linearvergrösserung) des sterilen Fruchtlagers oder Sclerotiumstroma
(e), als Mütze das Spermogonium tragend.
- Dasselbe mehr entwickelt, g Sclerotium, b Sphacelia-Lager. Verticaldurchschnitt
(1½fache Linearvergrösserung).
Der Fruchtknoten ist bis zur Spitze von dem Mycelium total zerstört und durchbrochen. In seinem Grunde entsteht nun aber durch Anschwellung und Verdichtung der Mycelienfäden ein innen weisslicher, aussen dunkel violetter Kern, ein steriles Fruchtlager, welches, aus den Spelzen der Aehre hervorwachsend, an seiner Spitze das vertrocknende Spermogonium, sowie Ueberreste der Fruchtknotenspitze wie ein Mützchen trägt. Das sogenannte Mutterkorn ist also ein Pilzfruchtlager, ein Sclerotiumstroma. Das schmutziggelbe vertrocknete Spermogonium (Mützchen) fällt beim Rütteln leicht ab.
Das dritte und letzte Entwickelungsstadium tritt ausserhalb des Bereiches der Getreideähre ein, wenn nämlich das Sclerotiumstroma im Herbst oder Frühjahr auf feuchten Boden gelangt. Nach Verlauf mehrerer Wochen löst sich die violette Oberflächenschicht des Stroma hier und da in Läppchen ab, welche sich umlegen, und an den entblössten Stellen entspriessen kleine weisse Knöpfchen, welche sich anfangs graugelb, dann schmutzig-violett färben und zu dünnen glänzenden, blass-violetten, 3–4 Ctm. langen Stielchen, 1-, seltener 2warzige Knöpfchen an der Spitze tragend, auswachsen. Knöpfchen nebst Stielchen repräsentiren die Pilzfrucht, den Kernpilz.
Mutterkornpilz im 3. Entwickelungsstadium.
- Sclerotium mit Pilzfrüchten (natürliche Grösse). s fruchtbares Sclerotiumlager, c Früchte
des Mutterkornpilzes (fruchtbares Pilzlager).
- Ein Fruchtknöpfchen vergrössert im Verticaldurchschnitt, Fruchtbehälter Perithecien (p)
zeigend.
- Zwei Perithecien stark vergrössert, 8sporige Sporenschläuche enthaltend. a noch geschlossene
Perithecie, b geöffnete Perithecie, Sporen auswerfend.
Jene Knöpfchen oder fertilen Fruchtlager sind dicht von Wärzchen bedeckt und enthalten unter jedem Wärzchen einen eiförmigen Fruchtbehälter (Perithecie), welcher mit zahlreichen, gegen den Scheitel convergirenden, linienförmigen, 8sporigen Schläuchen (Sporenschläuchen) gefüllt ist. Bei der Reife öffnet sich jede Perithecie mit einem Loche inmitten des deckenden Wärzchens. Aus dem oberen Ende des Sporenschlauches treten die fadenförmigen Sporen in Bündeln zusammenhängend aus und schieben sich durch die Perithecienöffnung nach aussen. Nach Flückiger’s Angabe kann ein Sclerotium 20–30 Kernpilzchen tragen, welche mehr denn eine Million Sporen entwickeln. Wie nothwendig die Einsammlung und Vertilgung des Mutterkorns (des Sclerotiumstroma) für die Landwirthschaft ist, wird durch Flückiger’s Forschung angedeutet.