Sie hatte wiederholt gebeten, daß ihn die Familie so wenig wie möglich ins Haus ziehe, ja, wie damals schon geplant, selbst mit stärkeren Opfern alle Beziehungen zu ihm löse! Sie traute ihm durchaus nicht. Sie glaubte an den Klammschen Güterbetrug!

Und bis zum legten Augenblick — noch am Abend vorher — war sie in ihren
Vater gedrungen, sich von dem Geschäft nicht zu trennen, und sich auf
Standes-Erhöhungspläne nicht einzulassen.

Bei allem aber blieb Herr Friedrich Knoop auf seinem Standpunkt stehen.
Er ereiferte sich durchaus nicht. Er betonte stets mit vollkommener
Ruhe, daß er materiell gar nicht besser fahren könne, als wenn er jetzt
verkaufe.

Ueber eine Million Thaler in sicheren Staatspapieren sei ein Resultat.
Darin müsse er Arthur recht geben.

Und der Adel? Er hieße lieber Freiherr Friedrich von Knoop, als Herr Rentier Knoop! Gewiß, im Grunde sei dergleichen wie so vieles, ein Nichts, ein Schaum, dem nachzujagen, eine Thorheit. Aber man lebe eben in einer Welt der Komödien, und wolle man den absolut Vernünftigen spielen, laufe man geradezu Gefahr, ins Irrenhaus gesperrt zu werden.

Und das wiederum so Vorgebrachte klang denn auch wahrlich nicht so übel! Wie überall das, was die Sinne bestrickt, stets in anderen Farben leuchtet, als die graue Vernunft.

Sie, die Vernunft, mit ihrer rauhen Tugend, paßt in die
Trappistenklöster, aber nicht in die Welt der Bedürfnisse, des
Genießens, des Ehrgeizes. — —

Während sich die Dinge in solcher Weise bei Knoops abspielten, saß am Schluß der Woche abends im Millionen-Klub Alfred von Klamm neben einem ihm bereits aus seiner Dresdner Zeit bekannten, jetzt in Berlin lebenden Freiherrn von Milan, einem früheren Garde-Ulanen-Offizier, der wegen eines Knieleidens hatte seinen Abschied nehmen müssen.

Zu Milan hatte sich Klamm stets sehr hingezogen gefühlt. Er war ein
Mann, der nichts weniger als schablonenhaft zugeschnitten war.

Auch er suchte etwas. Da er nicht ohne Vermögen war, vermochte er auch so zu leben. Er wünschte aber eine ansprechende Thätigkeit zu finden und sich — zu verheiraten.