„Das Gefahrvolle liegt doch nur in der Vorstellung,“ entgegnete Klamm.
„Die Schaffner revidieren doch während der Fahrt die Billete —“

„Ja, die — sie sind's gewohnt,“ meinte Ileisa.

Für Augenblicke stockte das Gespräch. Klamm hatte nichts erwidert, und die junge Frau war gesenkten Hauptes neben ihm hergeschritten.

Nun aber blieb Klamm stehen, sah sich um, ob er mit Ileisa allein sei, und sagte:

„Erinnern Sie sich noch, daß wir schon einmal so neben einander hergingen, gnädige Frau? Sie entwichen mir damals rasch. Sie waren mir nicht wohlgesinnt, und nun, da Ihre guten Gesinnungen zurückgekehrt sind, trotz der Erregung meiner Frau, werden wir durch andere Umstände getrennt.

„Sie werden sich wundern, daß ich auf alte Zeiten zurückkomme. Aber ich habe den heißen Drang nach Aussprache. Ich bitte, gehen wir noch eine Weile hier, machen wir einen kleinen Umweg. Fürchten Sie nichts“ — fügte Klamm bitter lächelnd hinzu — „meine Frau ist in Berlin. Sie wird uns nicht wieder beobachten. —

„Und Sie — Sie? — Ich hörte auf dem Bahnhof, daß Ihr Herr Gemahl zur
Stadt gefahren sei. So wird auch er nicht schmollen können, daß ich die
Gelegenheit ergreife, mich von alten Zeiten wieder mit Ihnen zu
unterhalten — Nicht wahr, Herr von Knoop ist nicht auf dem Gute?“

„Nein — — Und er wird auch“ — Ileisa sprach's, obschon sie es eigentlich nicht wollte, obschon sie es, nachdem es geschehen, schon bereute — „er wird auch nicht mehr zurückkehren —“

„Wie? Er wird nicht mehr zurückkehren?“

„Nein! — Wenigstens nicht zu mir —“