„Nein, nein — nein, das — das kannst du nicht —“
Sie war wie zerschmettert. Als ob die Kräfte versagten, die Glieder zu regieren, dem Körper zu gebieten, so lag sie da.
„Rede — rede — ich bitte dich noch einmal,“ drängte Klamm gütig.
„Du weißt ja alles, Alfred —“
Ein kurzer Laut ging aus Klamms Munde. Dann sprach er:
„Nun wohlan! Aber wenn es so ist, so verstehe ich nicht, daß dir die Trennung von mir so schwer wird. Jetzt brauche ich ja nicht mehr zu fragen, ob du mich noch liebst! Jetzt erweise ich dir ja einen Dienst, wenn ich sage: lösen wir unsere Ehe.“
„Ach, Alfred, ich liebe dich ja doch, liebe dich ja tausendmal mehr, als jeden anderen Menschen, wenn ich mein besseres Ich finde, wenn ich still und ruhig, nicht im Rausch des Vergnügens bin. Aber jetzt, jetzt — nachdem ich die Treue gegen dich verwirkte — bleibt mir ja nichts anderes, als dich zu bitten, daß du — mich — frei giebst.“
„Armes Weib — arme Frau — Ich wollte, ich könnte dir helfen. — Ich wollte, ich könnte dich glücklich machen. Glaubst du, daß ich mit dir fühle, Adelgunde — ?“
„Ja — ja,“ seufzte sie mit immer noch abgewendetem Gesicht. — „Ich glaube alles von dir, was gut, nachsichtig, groß, menschlich und gerecht ist. Grade weil du, obschon auch bisweilen ein irrender Mensch, alle deine Gedanken auf das Ernste, Maßvolle, wahrhaft Gute gerichtet hast, muß ich dich ja lieben, kann ich das Gefühl für dich nicht aus meinem Herzen reißen.“
„Rege dich nicht auf, Adelgunde! Beantworte mir aber noch eine Frage: Ich stelle sie, um zu überlegen, ob ich dir in deinem Sinne zu helfen vermag —“