Als sie später nebeneinander standen und Moselwein in eine Punschbowle füllten, sagte Klamm:
„Ich stehe unter dem Eindruck, daß Sie auch sonst noch über mich zu befehlen wünschen. Darf ich fragen, womit Ihnen Ihr gehorsamer Diener zu willen sein kann?“
„Ja, Herr von Klamm! Ich muß endlich einmal eine Frage an Sie richten. Es muß um Ihretwillen geschehen, da ich auch heute wiederholt in einer mich ärgernden Weise angesprochen bin:
„Wie heißt Ihr Fräulein Braut? Woher stammt sie? Weshalb führen Sie sie nicht uns und der Gesellschaft zu? Ist sie wirklich krank? Und wollen Sie sich, wie man sagt, wieder entloben?
„Nicht Neugierde treibt mich, ich betone dies. Die angeführten Gründe und das warme Interesse, das ich für Sie empfinde, lassen mich sprechen.“ —
Schon wollte Klamm antworten, er wollte ihr bekennen, wie es stand und wodurch die Unwahrheit hervorgerufen worden war. Aber dann wählte er doch einen anderen Weg, den, zu dem ihn bei Fräulein von Wiedenfuhrt die Umstände getrieben, den er auch Ileisa vorgeschlagen hatte.
„Zuerst meinen aufrichtig empfundenen Dank, gnädiges Fräulein,“ entgegnete er. „Und um alles nach Ihren Wünschen zu erledigen, bitte ich Sie, in eine zeugenlose Unterredung zwischen uns zu willigen. Hier — heute — ist nicht der Ort, Ihnen alles zu erklären. Ich muß weit ausholen.
„Also, ich bitte. — Wann wollen Sie mir diese Vergünstigung gewähren?“
„Sonnabend mittag bin ich allein in unserer Wohnung. Meine Mutter will dann Besuche machen!
„Wohlan! Abgemacht!“ Sie reichten sich die Hand.