Endlich setzte er sich wieder. Er hatte seinen Entschluß gefaßt, und las nun den zweiten, ihn auch sehr beschäftigenden Brief, der keine Unterschrift trug und durch eine Schreibmaschine hergestellt war, noch einmal durch. Er lautete:

„Sehr geehrter Herr!

Es wird Sie dieser Tage — ich hörte es in dem Wiener Café von Bauer zufällig — ein Baron von Klamm besuchen. Da ich ihn sehr genau kenne, so erlaube ich mir, Sie vor ihm zu warnen. Er ist durchaus unzuverlässig!

Denken Sie diesmal nicht: Anonyme Zuschriften gehören, ohne beachtet zu werden, ins Feuer.

M.P.“

Nachdem Herr Knoop diese beiden Briefe in seinem Pulte verschlossen hatte, klingelte er. Er übergab neben anderen Anweisungen dem Faktotum und Büreaudiener Adolf, einem Mann, der dadurch auffiel, daß er runde, stählerne Ohrringe trug, die Mappen, und hieß ihn auch, die draußen Wartenden nach der Reihe ihres Eintreffens ins Zimmer treten zu lassen.

Zuerst erschien ein fremder Setzer. Er bat um Arbeit, und wurde von Herrn Knoop zum Accidenzfaktor gesandt. Nach ihm kam eine sauber gekleidete Frau und bat um einen Vorschuß für die Familie. Ihr Mann arbeitete im Papierlager, war fleißig und gewissenhaft.

Sie brauchte das Geld für ihren Sohn, der lange krank gewesen war und nun überseeisch sein Glück versuchen sollte.

Herr Friedrich Knoop ging an den Geldschrank, nahm zwei Geldstücke heraus und sagte:

„Hier, Frau Bendler! Ich schenke Ihnen das! Vorschüsse gebe ich nur in äußersten Fällen! Das wissen Sie! Und ein andermal lassen Sie Ihren Mann kommen und dergleichen vorbringen. Die Frauen will ich nicht anhören. Da könnten alle heranlaufen, und ich hätte eine schöne Last —“