Als Ange am nächsten Morgen ihren Kindern mitteilte, Onkel Axel und Tibet seien wieder da und würden an dem Weihnachtsfest teilnehmen, erscholl lauter Jubel durchs Haus. Ben drängte sich an seine Mutter, als sie allein war, und forschte in ihren Augen. „O ja, ja, Du bist wieder fröhlich! Ich sehe es!“ preßte er heraus und umhalste sie. Sie aber legte die Hand auf sein Haupt und sah ihm forschend ins flammende Auge.

„Wußtest Du gar nichts von Onkel Axels Kommen? Gar nichts?“ Ben bewegte stumm den Kopf und preßte die Lippen aufeinander. Und dann schoß plötzlich brennende Röte über sein Gesicht und mit raschem Anlauf drückte er seine Mama noch einmal an sich. „Nicht böse sein!“ flüsterte er und verschloß unter Küssen ihren Mund.

Einen rührenden Anblick bot es, als Tibet am Mittag zum erstenmal wieder die Schwelle des Hauses betrat. Ange war in der Küche, als der Jubel zu ihr drang. Als sie sich ihm näherte, machte er eine tiefe, unsichere Verbeugung und wartete, wie seine Herrin ihm begegnen würde.

„Willkommen, Tibet!“ sagte Ange, trat auf ihn zu und legte tiefbewegt ihre Hand in die seinige. „Alles ist vergessen. Und“—hier brach es aus ihren Augen so heftig heraus, daß sich die Kinder unwillkürlich zurückzogen—„vergeben Sie—auch mir!“

„O, Frau Gräfin! Frau Gräfin!“ stotterte der Mann und neigte das Haupt.

Und der Festabend kam; Ange war aufgeblüht in ihrem Glück. Sanfte Rosen lagen auf ihren Wangen und ihre Augen glänzten, als hätten Diamanttropfen Sonnenstrahlen aufgesogen.

Sie trug dasselbe Kleid—sie hatte es bewahrt und nun hervorgesucht—, das damals ihre Gestalt umschloß, als Teut Abschied nahm und in den Krieg zog.

Auch eine vollblühende Rose hatte sie sich zu verschaffen gewußt, die nun ausgebrochen an ihrer Brust lag wie ein Symbol ihrer reiferen Schönheit.

Teut war wie gebannt, als sie ihm gegenüber trat. Für ihn hatte sie sich geschmückt, und der zarte Duft der Blüte drang berauschend auf ihn ein.

Ihm war's, als ob sie mit ihrer blendenden Erscheinung nicht in diesen Raum gehöre, ihm plötzlich gegenüberträte wie damals in der Villa, und alles sei wie ehedem.