„Wie?“ unterbrach ihn Ange ängstlich.
„Ja! Sein Zustand—sein hartnäckiges Nervenleiden macht ihm die Ausübung seiner militärischen Pflichten unmöglich. Besser denn, bei Zeiten die anstrengende Thätigkeit einstellen. Aber—dadurch wird sich—Ihre Einnahme noch mehr verkleinern, Ange—“
„Ja gewiß!“ sagte sie tonlos.
„Da wollte ich denn—“—er zögerte, riß an seinem Schnurrbart und eine seltsame Röte trat auf seine starken Backenknochen—„Sie bitten, Ange. daß Sie mich wie einen Bruder ansehen mögen, daß Sie—ich weiß nicht, ob Sie mich verstehen, Ange—daß wenn Sie etwa einmal einen Wunsch haben—etwa für die Kinder einen Wunsch haben sollten—wenn—wenn—Sie hören nicht, Ange?“
„O, o!“ hauchte die junge Frau. „Nicht weiter!“ Ihre Stimme versagte vor Rührung; sie vermochte nicht zu sprechen, und sie trocknete die Thränen mit dem Tüchelchen, das sie hervorgezogen hatte.
„Doch, doch,“ sagte Teut weich und ergriff ihre Hand, ihre kleine Hand, die so schmal und krank heute aussah. Aber weiter wagte er nicht zu sprechen; es trat eine längere Pause ein. Die Dinge ringsum erschienen noch ernster, stummer als sonst. Es wehte ein Hauch von trostloser Öde durch das Haus, in dem das Lachen erstorben war.
„Und die Gouvernante? die Gouvernante? Schicken wir sie fort?“ flüsterte Ange zaghaft. Sie dachte nicht an sich: immer waren es die Kinder, mit denen sie sich in ihren Gedanken beschäftigte.
„Gewiß, gewiß!“ betätigte Teut lebhaft. „Noch heute spreche ich mit
Carlos! Alles, alles soll sich nach Ihren Wünschen gestalten! Alles, was
Sie, meine teure Ange, wieder fröhlich—und glücklich machen kann!“
„Ein Gott, kein Mensch sind Sie!“ tönte es von Anges Lippen. Sie verbarg ihr Gesicht in den Händen und schluchzte.
Teut stand auf und trat ihr näher. Sie erhob den Blick—einen Blick, in dem der Abglanz ihrer Seele sich spiegelte, einen Blick, in dem der Mann alles fand, was er je zu hoffen gewünscht, und alles, was im Austausch Liebe gegen Liebe zu geben vermag!