„Nun, jedenfalls sind Sie in dem besten—im Heiratsalter. Was, liebes Kind?“ unterbrach sie sich entschuldigend, als plötzlich Eva hinter ihren Stuhl trat und eine Frage an sie richtete.

Teut schob sich artig zurück, während die Damen einige Worte austauschten, und zugleich beobachtete er Olgas Tochter genauer. Eva glich einer wilden Rose in ihrer Erscheinung: sie war in der That sehr hübsch, aber das Gesicht war geistlos.

„Ich bitte um Verzeihung!“ wandte sich Frau Olga wieder zu ihrem Gast.

„Ein schönes junges Mädchen,“ sagte Teut verbindlich und von einer gewissen Absicht beherrscht. „Sie haben hier gleich einen Beweis, daß es unmöglich ist, die Frauen nicht zu verehren.“

Frau Olga sah mit einem Anflug angenehmer Überraschung den Sprechenden an. Hatte sie recht gehört? Sie wußte von Teut, daß er wohl Derbheiten, aber selten Artigkeiten zu sagen pflegte.

„Ah, Sie Spötter!“ erwiderte sie, in der Absicht, mehr zu hören. Teut aber lächelte und schwieg. Es gefiel ihm, sie in Zweifel zu lassen. Endlich sagte er:

„Ihre beiden Jüngsten—Zwillinge, wenn ich nicht irre?—sind gleich liebreizend. Das ist sehr schlimm.“

„Schlimm? Wie so? selbst unter der Voraussetzung der Richtigkeit Ihrer schmeichelhaften Behauptung.“

„Nun schlimm insofern, gnädige Frau! als doch niemand beide Damen zu heiraten vermag, und weil eine von ihnen zu wählen, neben der höchsten Befriedigung des Besitzes zugleich den höchsten Schmerz über einen sicheren Verlust hervorrufen würde.“

„Ich vermute, Sie wollen ein wenig Spott treiben,“ sagte Frau Olga. „Überhaupt—und damit zugleich ein offenes Bekenntnis—, nachdem ich endlich das Glück habe, Sie näher kennen lernen zu dürfen, finde ich doch die Bestätigung dessen, was man mir so oft erzählt hat.“