„Nur eine Bestätigung?“ scherzte Teut. „Ich hatte gehofft, daß meine Person die Beschreibung weit überträfe, denn ich bin überzeugt, Sie finden nur Gutes.“

„Wer weiß! Sie sind der erste Mann, der mir im Leben begegnet ist, vor dessen Sarkasmus ich mich fürchte.“

Dergleichen halbe Artigkeiten und halben Tadel enthaltende Äußerungen liebte Frau Olga. Sie hatte unzählige bereit, wenn sie jemanden fesseln wollte.

Zu ihrem Erstaunen sagte Teut ernst:

„Es liegt vielleicht etwas Berechtigtes darin, gnädige Frau. Ich bin ein so ehrlicher Hasser der gesellschaftlichen Lüge und Vergeltung, daß ich rücksichtslos meine Meinung, oft genug meinen Abscheu dagegen ausspreche. Und natürlich, jeder, der nicht mit Komödie spielt, wird naturgemäß gefürchtet.“

Frau Olga kam in eine etwas unbequeme Stimmung; es war ja fast undenkbar, daß ein Mann von so guter Erziehung wie Teut diese Bemerkung gegen sie persönlich zugespitzt hatte, aber andererseits konnte sie kaum anders, als diese auf sich beziehen.

Es lag auch in ihrer Art, dergleichen nicht zu übergehen, denn ihre Klugheit verließ sie nur allzu häufig, wenn ihre Empfindlichkeit oder ihre Eitelkeit verletzt wurden. Sie entgegnete deshalb in einem recht schroffen Tone:

„Nein, meine Furcht stützt sich auf etwas anderes, Herr Rittmeister. Was Sie hervorheben, könnte ja in unserem Verkehr überhaupt keinen Anlaß zu einer solchen geben!“

„Natürlich,“ sagte Teut ernsthaft, ließ aber einen infam ironischen Zug um seine Mundwinkel spielen. „Und bitte, weiter, meine Gnädige?“

Frau Olga hob in einiger Erregung das Glas empor, das Teut eben gefüllt hatte, trank es hastig aus und erwiderte, mühsam ihren Unmut versteckend: