Ange nahm seinen endlichen Vorschlag, nach Frankfurt zu reisen, lebhaft auf. Sie eilte fort, kam zurück und öffnete ihr Schmuckkästchen.
Als es aus Auswählen ging, ward's ihr schwer. Nicht der Verlust der Juwelen ließ sie zaudern, aber es schien ihr wie eine Entheiligung, fortzugeben, woran sich so viele teure Erinnerungen knüpften.
„Hier, hier!“ rief sie indessen schnell wieder gefaßt. „Ich weiß, daß diese Perlen Tausende wert sind. Wie kann ich fragen? Ich muß an meine Kinder denken, an die Pflichten, die ich gegen meine Umgebung habe, solange sie zu fordern hat. Alles andere ist nebensächlich.“
Nun machten sie sich daran, den Wert des Schmuckes abzuschätzen.
„Und wenn das dahin ist?“ zuckte es in Ange auf. „Wenn das dahin, was dann?“
Immer wieder packte sie ein angstvolles Grauen vor der Zukunft, immer wieder mußte sie sich zurückrufen, daß das alles Wahrheit, keine Vorstellung, kein Roman sei, den eine lebhafte Phantasie sich ausgedacht hatte. Nein! nein! Carlos war tot; sie blieb zurück mit fünf lebendigen Geschöpfen und besaß außer diesen Kleinodien und ihrer Einrichtung nichts!
* * * * *
Einige Tage nach diesem Zwischenfall—es war am Spätabend und die Kinder ruhten bereits—überreichte der Diener Ange ein Telegramm. Die Gouvernante, die noch eben an ihrer Seite gesessen, hatte das Zimmer verlassen, und da Ange allein war, gab sie sich ganz ihren Gedanken hin. Im Kamin brannte ein lebhaftes Feuer, das einen hellen Schein und zugleich wohlthuende Wärme in dem Gemach verbreitete. Draußen aber fuhr ein rücksichtsloser Sturm durch die Bäume und rüttelte den hohen Schnee, der die Erde bedeckte, aus seiner Ruhe auf.
Ange öffnete hastig die Depesche, und mit einem leisen Schrei sank sie zurück.
„Auch das noch!“ glitt es von ihren Lippen.