Der Graf äußerte sich auch in diesem Sinne, indem er hinwarf:
"So, Imgjor! Nun weißt du, aus welchen Himmelshöhen du zu uns hinabgestiegen bist. Werde noch etwas milder und du kannst einst als Heilige verehrt werden!"
Und die Gräfin warf Axel einen ihrer forschenden Blicke zu, einen jener, durch den sie zugleich verriet, daß ihr Interesse für Axel sich immer mehr steigerte.
Wie sehr übrigens diese Zurückweisung Imgjor getroffen hatte, bewies ihr ferneres Verhalten bei Tisch. Sie hörte zwar auch ferner dem zu, was ihr der Doktor vortrug, aber ihre Gedanken waren offenbar nur halb oder gar nicht bei der Sache. Sie sann sichtlich über einen Racheakt nach und mußte doch ihren heißen Drang bezähmen, weil sie Axel auf diese höfliche Abfertigung nicht beizukommen vermochte.
Aber nicht ein einziges Mal richtete sie das Antlitz ihm zu, und ebenso verharrte der Doktor in einer feindselig stummen Abwehr. Axel wußte sich auch in der Folge lediglich den übrigen zuzuwenden, blieb bis zum Tafelschluß in einer lebhaften Konversation mit jenen und entging dadurch der Pflicht, Höflichkeitsakte gegen Imgjor zu üben, und irgend welche Notiz von seinem Gegenüber zu nehmen.
Nach Tisch empfahl sich der Doktor, indem er Krankenbesuche vorschützte, und auch Imgjor verschwand. Erst beim Thee, den sie zu bereiten hatte, erschien sie wieder.
Sie hatte aus irgend einer Laune nunmehr wieder ein schwarzes Kleid angelegt und sah in diesem mit ihrem bleichen, kaltstummen Gesicht wie eine trotzige Büßerin aus.
"Wo warst du, Imgjor?" forschte die Gräfin, die mit den drei Herren nach Tisch einen Spaziergang im Park unternommen, später eine Partie Boston gespielt und diese jetzt eben beendigt hatte.
"Ich bin nach Mönkegjor durch den Wald geritten—" gab Imgjor kurz zurück.
Als sich Axel noch vor dem Schlafengehen und allgemeinen Aufbruch Imgjor näherte—sie saß mit einem Buch für sich in einer durch eine Hängelampe erleuchteten Ecke des Kabinetts—und sie fragte, welche Lektüre sie so sehr beschäftige, entgegnete sie tonlos und ohne seinen auf das Buch gerichteten Bewegungen zu entsprechen und es ihm zur Prüfung anzubieten: