Aber wie einst, schnitt er ihr die Worte ab, sprang auf sie zu, packte ihre Handgelenke und rief, während ihm ein heißsprühender Atem aus der Brust quoll: "Ja, das sage ich dir, ich, der Graf Lavard! Willst du dich meinem Willen nun fügen? Willst du erklären, daß du von dem Vortrage abstehst? Noch einmal nein, oder—"
Aber jetzt hielt es auch Curbière, der bisher bleichen Angesichts dagesessen und nur durch seine Mienen an den Tag gelegt hatte, was er bei dieser Scene empfand, nicht länger. Blitzschnell war er an beider Seite, richtete einen bittenden Blick auf den Grafen und suchte ihm Imgjor mit sanfter Bewegung zu entreißen.
Aber auf den bis zur Raserei entflammten Mann übte dieses kavaliermäßige
Dazwischentreten gerade den entgegengesetzten Eindruck.
"In meine häuslichen Angelegenheiten erbitte ich keine Einmischungen! Ich muß aufs dringendste bitten!" stieß er in einem schroff entschiedenen Tone heraus, schob auch die Gräfin, die zu vermitteln suchte, kurz und rauh zur Seite und faßte Imgjors Handgelenke nur noch fester.
Aber nun wußte Imgjor selbst das Schauspiel zu beenden. Indem sie sich mit einer plötzlichen Bewegung befreite, sodann an die Thür eilte und hier, um sich einen ungefährdeten Abgang zu sichern, mit der Linken die Klinke faßte, sagte sie:
"Ich kann nicht, Papa! Ich kann nicht, weil ich nicht alleiniger Herr meiner Handlungen bin, weil ich mein Wort gab. Aber ich will mich in anderer Weise dir fügen. Ich verzichte von heute an auf alle Rechte, wie immer sie heißen mögen, auf die Rechte, deinen Namen zu tragen und auf materielle! Ich werde mich fortan nennen, wie mein Vater hieß. So wirst du befreit von der, die dir doch nur Schande macht, so streifst du die Verantwortung für ihre Handlungen von dir ab. Verzeih' mir! Ich bitte dich flehentlich! Nie werde ich vergessen, was du, was ihr alle Gutes an mir gethan! Aber ich kann nicht anders. Jeder hat seine Eigenart und besitzt ein Recht darauf. Auch ich muß meiner Natur folgen—Adieu! Adieu! Nochmals Adieu! Vergebt mir!"
Nach diesen Worten verließ sie mit einem entschlossenen Blick das
Gemach.
* * * * *
In einem Hinterzimmer des Wirtshauses in der Nähe des Tivoli saß an demselben Abend der Wanderprediger Kollund mit Imgjor Lavard. Sie hatte ihm geschrieben, daß sie ihn sprechen wolle, und er hatte geantwortet, daß er sich am Abend, nach einem Vortrage in der Umgegend, zu ihrer Verfügung halte.
Nun eben hatte er den Kellner gerufen und Speisen und Getränk gefordert, während sie, nach ihren Wünschen befragt, ihn nur eine Flasche Selterwasser zu bringen ersuchte.