Schon bei den ersten Worten Imgjors war in die Züge des Mannes ein Ausdruck von Mattigkeit getreten. Beim Schluß ihrer Erklärungen hielt er schon gar nicht mehr mit seinen veränderten Gedanken und Anschauungen zurück, zog die Lippen und schüttelte das Haupt.

"Wenn die Dinge so stehen, Komtesse, ist—ist—garnichts zu machen! Ich ging natürlich von ganz anderen Voraussetzungen aus. Bei solcher Sachlage kann ich Ihnen nicht die geringsten Erfolge Ihrer Vorhaben versprechen. Wir würden uns nur gegenseitig im Wege stehen. Jetzt vermag ich allein zu existieren; in der Folge würden wir nicht das tägliche Brot haben. Ist denn wirklich alles dahin? Ist keine Aussicht, daß Sie sich mit Ihrer Familie wieder einigen?"

"Nein," erwiderte Imgjor kalt, mit einem solchen eisigen Ausdruck, daß der Mann, der sich schon allen möglichen Träumen von Liebesglück und Erdenschätzen hingegeben hatte, nunmehr einer völligen Ernüchterung erlag.

Im Nu verschwand der bestrickende Zauber, den Imgjor auf ihn ausgeübt hatte.

Aber auch Imgjor erlitt entsetzliche Qualen der Enttäuschung, doppelte, da sie sich nicht nur in ihren Hoffnungen auf diesen Mann als Mithelfer ihrer großen Pläne getäuscht fand, sondern auch durch ihn so rücksichtslos belehrt worden war, wie nutzlos alles Mühen ohne materielle Mittel sein werde. Sie hatte sich dem unbestimmten Gefühl hingegeben, daß dieser edle Enthusiast die Herbeischaffung solcher freudig auf seine Schultern nehmen, daß er dazu auch leicht imstande sein werde. Sie, die immer aus dem Vollen geschöpft, die stets die Hand hatte aufthun können, hatte sich trotz des täglichen Einblicks in die Lebensnot der Menschheit auch in dieser Richtung eine Illusionswelt aufgebaut.

Und abermals hatte sie ebenso vorschnell, wie unweise gehandelt! Anstatt vorher zu prüfen, die Folgen ihres Vorhabens zu überlegen, hatte sie ihre Erwartungen ohne weiteres zu Thatsachen erhoben und war nun gleich bei den ersten Schritten, die sie unternommen, bis zum Fallen gestolpert.

Jetzt stand sie—in furchtbarer Klarheit kam's über sie—wirklich dem "Nichts" gegenüber. Und sie hatte sich, wenn sie ehrlich überlegte, während ihrer nun fast zwei und einhalbjährigen Thätigkeit draußen in der Welt kaum einen Freund, sondern nur Feindschaft erworben.

Die Freunde, die einzigen, die sie vorher besessen, hatte sie eben in ihrem stolzen Uebereifer von sich gestoßen. Ihren Widersachern wollte sie sich offenen Auges zugesellen und abermals mit schweren Kränkungen und schnödem Undank verbundene Lasten übernehmen. War darin ein Sinn? Hatte sie noch nicht Erfahrungen genug gesammelt? War's noch nicht genügend erwiesen, daß ihre Umgebung in allem Recht gehabt?

Und eben aus diesen gegen sich selbst gerichteten Ueberlegungen entstand jählings eine um so größere Abneigung gegen denselben Mann, dem sie noch beim Beginn des Gespräches gleichkam ihr ganzes Ich hatte verschreiben wollen, den sie als den plötzlich ihr erstandenen Erlöser betrachtet hatte. Sie konnte es nicht erwarten, die Beziehungen zu ihm abzubrechen, auch ihm die Erklärung zu geben, daß sie keinen öffentlichen Vortrag halten wolle.

Sie nahm deshalb kurz und schroff das Wort und sagte: