Der Graf nickte.

"Wenn sie nicht zugleich ein solcher Engel für die Kranken und Armen auf der Herrschaft wäre, hätte ich ihr schon ihre fortwährenden Entfernungen verboten. Das ist's ja! Man kann ihr eigentlich keinen anderen Vorwurf machen, als daß sie sich für sich hält und ihren besonderen Neigungen nachgeht."

"Es schickt sich doch wirklich nicht, daß sie fortwährend umherflankiert, mit den Bauern und oft mit den Knechten verkehrt. Gestern wurde sie, wie ich weiß, im Dorfwirtshaus gesehen, wo sie ihre bauernfreundlichen Ansichten zum Besten gegeben hat," fiel Lucile ein.

"Wer hat dir das mitgeteilt?" rief der Graf nunmehr in erheblicher
Erregung.

"Vom Gutsförster von Kilde hörte ich es, Papa."

"Da siehst du's, Lavard! Es geht wirklich nicht mehr. Sie rührt uns das ohnehin aufsässige Bauernvolk noch mehr auf. Und der Doktor agitiert auch schon seit seiner Niederlassung im Dorf. Du weißt doch, daß Pastor Nielsen ganz außer sich darüber ist, welche Ideen er vor den Bauern entwickelt. Greife ein! Sprich morgen mit dem Doktor und stelle ihm die Wahl, sich solcher Dinge streng zu enthalten oder seinen Stab wieder in die Hand zu nehmen!"

Graf Lavard nickte.

"Ja, es soll geschehen. Nur morgen geht's nicht. Er ist unser Gast; da wäre es unzart, ihm grade Vorhaltungen zu machen."

"Und Imgjor?" fiel Lucile ein.

"Willst du ihr nicht auch gebieten, daß sie ihre Besuche in den
Wirtshäusern einstellt? Nächstens erscheint das Bauernvolk auf dem
Schloßhof und stellt dir Forderungen, und wenn du sie nicht erfüllst,
stecken sie uns das Dach über dem Kopfe an!"