"Sie meinen—?" setzte Graf Dehn an;—stockte aber, weil er der Gräfin
Auge begegnete.
Sie sah ihn mit einem Blick an, der ihn befangen machte, und der
Widerschein seiner Verwirrung spiegelte sich in seinen Mienen. "Ah—Sie
Kind—Sie gutes Kind!" warf sie überlegen, aber nicht ungütig hin.
Doch gab sie sich unmittelbar darauf wieder mit der sonstigen Geradheit ihres Wesens.
"Lucile will hoch hinaus, gewiß! Aber sie wird doch nie einen Mann heiraten, den sie nicht liebt"—fügte sie, an Axels vordem hingeworfene Aeußerungen anknüpfend, hinzu.—"Und deshalb glaube ich auch, daß sie ihre unfruchtbaren Pläne aufgeben und sicher einen anderen ehrenwerten Mann aus einem weniger bevorzugten Stande heiraten würde.
Daß Lucile sich für Sie interessiert, weiß ich. Aber Sie—Sie—empfinden nichts für sie—?"
Nun erschien ein überaus forschender Ausdruck in ihren Zügen.
"Ja, Frau Gräfin—" entgegnete Graf Dehn halb ernst, halb leicht im Ton, um dem Gespräch einen möglichst unbefangenen Charakter zu verleihen—"ich müßte ein Stein sein, wenn ich nicht ein so vollendetes, junges Mädchen, wenn ich nicht jede Tochter einer Gräfin Lavard anbetete. Aber es steigt ein Wunsch nach ihrem Besitz nicht auf, weil mich, ich wiederhole es, Komtesse Imgjor ganz gefangen nimmt. Komtesse Lucile hat mir überdies rückhaltlos erklärt, sie werde nur einem Manne die Hand reichen, der eine Fürstenkrone im Wappen führt."
"Haben meine Töchter—" stieß die Gräfin, die nachdenklich zugehört, stark betonend heraus, "Ihnen gegenüber ein Urteil über mich gefällt?"
Graf Dehn sah befremdet empor.
"Ich bitte, sprechen Sie, Graf Dehn! Ich bin Ihnen für ein offenes Wort dankbar.—Ich werde dann auch reden, nicht heute, aber ein andermal—"