Graf Dehn entging das nicht, und er wurde davon so stark berührt, daß sich seine Gedanken eine Weile ganz auf Lucile richteten.

Aber ebenso rasch schüttelte er den Kopf, und ein erneuter Blick auf sie betätigte auch eine von ihm offenbar nur genährte Illusion.

Umsomehr aber beschäftigten sich seine Gedanken mit Imgjor.

Er würde eine Welt darum gegeben haben, sie jetzt sprechen, mit seinen
Augen in ihre Seele einmal hinabtauchen zu können.

Die Stunden zwischen dem Essen und dem kleinen Feste nahm sich Graf Dehn vor, allein in seinem Gemächern zuzubringen. Er erklärte, daß er Briefe schreiben müsse, und man erhob auch keinen Widerspruch. Auch die übrigen schienen von demselben Verlangen beherrscht zu werden, sich zu vereinsamen.

Als Axel sein Wohngemach betrat und, bevor er sich niederließ, arglos Umschau hielt, fand er auf seinem Schreibtisch ein kleines, mit goldenen Linien umrändertes Kouvert. Er griff hastig danach, und da ihm ein unbestimmtes Gefühl sagte, daß es mit Imgjor zusammenhänge, öffnete er es in fiebernder Spannung. In der That fand er einige Worte von ihrer Hand.

Aber freilich brachten sie nicht, was er ersehnt, was er fast gehofft hatte.

Auf einer zierlichen Karte standen die Worte: "Ich wiederhole, es giebt keinen Weg, der uns zusammenführen kann. So lassen Sie mich! Ich bitte, ich beschwöre Sie! Für Ihre Diskretion meinen Dank. I."

So war also doch nichts gewonnen! Axel ließ sich entmutigt in seinen
Sessel sinken und saß lange, abwesend, seinen Gedanken hingegeben.

Stark benommen und nichts weniger als zu einem Zusammensein mit Menschen aufgelegt, nahm er sodann in späterer Stunde die Meldung Frederiks entgegen, daß die Gäste im Anzuge seien.