Soeben hätten sie den Schloßhof überschritten.
"Und Doktor Prestö? Ist er auch dabei, Frederik?"
"Jawohl, Herr Graf, er ist schon im Flur, Cristian ist ihm behilflich—"
"Ich danke Ihnen. Ich werde sogleich erscheinen—" Axel sprach's zerstreut und machte sich, mechanisch handelnd, an seine Toilette.
Da die Anwesenden im Schloß schon eine Anzahl von Personen ausmachten, so war's nicht zu verwundern, daß der Empfangssalon stark gefüllt war.
Es hatten sich alle höheren Beamten mit ihren Damen eingefunden, der
Oberverwalter, der Verwalter, der Vorwerk-Inspektor, der Oberförster mit
seinen zwei Unterbeamten, die Herren aus der Kanzlei und der Kasse, der
Intendant und die Schreiber, des Grafen Sekretär und zudem die
Honoratioren aus dem Dorfe.
Es wurde zunächst Thee herumgereicht. Dann musizierten Lucile und die Pastorin, und eine Verwandte des Apothekers aus Kopenhagen sang mit einer gutgeschulten, sympathischen Stimme.
Das nahm, einschließlich der Empfangsgespräche, denen die Gräfin mit vollendetem Geschick einen warmherzigen Charakter zu verleihen wußte, eine kleine Stunde in Anspruch. Dann wurde das Zeichen zum Tischgang gegeben.
Der Pastor, als ältester und würdigster Herr, führte die Gräfin und der Graf die Gemahlin des ersteren. Im übrigen wählte, der hier herrschenden Sitte entsprechend, jeder Herr seine Dame selbst, und allezeit fügten sich, trotz dieser Uneingeschränktheit, die Dinge den Verhältnissen angemessen.
Jeder wußte von selbst, auf welchen Platz er gehörte. Ihn leiteten Gewohnheit und natürliches Taktgefühl. Ein gleiches galt von der Wahl der Damen selbst.