"Wie? Sie glauben—?"
Lucile nickte.
"Einen Fall nehme ich aus. Hat sie bereits die ebenso große Unbesonnenheit wie Geschmacklosigkeit begangen, sich mit dem Plebejer drüben zu verloben, so ist natürlich nichts zu machen."
"Ich möchte das als höchst wahrscheinlich annehmen, Komtesse—"
"Ein mehr als schrecklicher Gedanke, Graf Dehn! Worauf stützen Sie Ihre
Eindrücke, wenn ich bitten darf?"
Graf Dehn zögerte erst, dann kam ihm ein Entschluß, und er sagte:
"Für einen in seinem Geist und Gemüt beschwerten Menschen giebt's kein größeres Labsal, als sich aussprechen zu können, einen Vertrauten zu besitzen, dem er rückhaltlos über alles zu berichten vermag, was ihn beschäftigt.
Dieser Umstand und die Sicherheit, daß meine Eröffnungen Komtesse Imgjor
nützlich sein können—ich gestatte mir, später zu sagen, in welcher
Weise ich mir das vorstelle—lassen mich unter der Bitte vorläufiger
Verschwiegenheit reden!"
Nach dieser Einleitung erzählte Graf Dehn Lucile alles, was geschehen war, und schloß mit den Worten:
"Sie äußerten sich jüngst über die Möglichkeit, daß Ihr Fräulein Schwester Rankholm verließe—dringen Sie gleich—ich bitte—darauf, damit sie von Prestö getrennt wird, und auch darauf, daß man ihn, sobald sie zurückkehrt, nicht mehr hier findet!"