Am nächstfolgenden Tage wurden die Bewohner von Rankholm durch die sehr unerfreuliche Botschaft überrascht, daß im Dorfe das Scharlachfieber ausgebrochen und daß bereits zwei Dutzend Personen, Große und Kleine, davon ergriffen seien.
Der Graf erzählte davon beim zweiten Frühstück und ermahnte die
Tischgenossen, den Verkehr mit den Dorfbewohnern vorsichtig zu meiden.
Es wurde sogar überlegt, ob nicht der sonst stets erfolgende
Kirchenbesuch für den bevorstehenden Sonntag ausgesetzt werden solle.
Der Graf befürwortete ein Fortbleiben; die übrigen schlossen sich ihm stillschweigend an, und nur Imgjor gab keine Meinung ab.
"Nun, Kind—hast du gehört? Halte dich also vom Dorf fern!" warf die
Gräfin mit einem auf ihre Tochter gerichteten, auffordernden Blick hin.
Imgjor bewegte den Kopf.
"In die Kirche werde ich auch nicht gehen. Aber ins Dorf möchte ich jetzt gleich und möchte mich umsehen, ob ich nicht helfen, vielleicht als Krankenpflegerin mich nützlich machen kann."
"Du wirfst das nicht thun, unter keinen Umständen! Ich wünsche es nicht—" entschied die Gräfin.
"Willst du mich denn hindern, ein gutes Werk zu thun, Mama? Welchen Wert hat alle Religion, wenn sie mit keinen Thaten verbunden ist?"
"Du hast—" entgegnete die Gräfin—"nicht nur auf den Drang, zu helfen, den ich gewiß nicht tadle, Rücksicht zu nehmen, sondern auf die ganze Familie und sämtliche übrigen Mitbewohner von Rankholm.
Scharlach ist so ansteckend, daß es geradezu Leichtsinn wäre, sich unnötig mitten in die Gefahr zu begeben.—"