In Imgjors Angesicht zuckte es bei Axels Worten auf, aber sie lohnte ihm seine Ritterlichkeit auch nicht einmal durch einen Blick.
Wohl aber reckte sie plötzlich den Oberkörper empor und sagte mit großer
Entschiedenheit im Ton: "Ich werde nachher auf dein Zimmer kommen, Papa.
Ich bitte, daß du es erlaubst. Dort werde ich dir auf alles Antwort
geben. Jetzt, jetzt gestatte, daß ich mich entferne."
Nach diesen Sätzen richtete sie sich, die Serviette von sich streifend, empor und war bereits an der Thür, bevor der Graf sie zu hindern vermochte. Aber sie hatte nicht mit der Gräfin gerechnet.
"Ich möchte dich jetzt gleich sprechen, Imgjor! Bleibe!" befahl sie.
"Ich wünsche an der Unterredung teilzunehmen. Ohnehin ist es Zeit, aufzustehen. Sie gestatten, lieber Graf Dehn! Und es ist dir recht, Lavard?" fügte die Gräfin biegsam im Ton hinzu und wußte den anfangs etwas zögernden Grafen zur Beipflichtung zu veranlassen.
Infolge dessen erhoben sich alle; und alle richteten jetzt den Blick auf
Imgjor. Sie aber stand wie ein Marmorbild an der Thür und erst, als ihre
Mutter eine Bewegung machte, durch die sie ihren Befehl wiederholte,
schoß etwas in ihre Augen, das den unheimlichen Glanz eines unbeugsamen
Willens besaß.
Alsdann reichten jene, mit Ausnahme von Imgjor, dem Grafen Dehn vertraulich die Hand und verließen das Gemach, und nur Lucile, die begierig nach dem Zeitungsblatt gegriffen hatte, das der Graf, ihr Papa, bei seiner Rede aus der Tasche gezogen, blieb noch im Zimmer.
"Ich kann es kaum erwarten, zu lesen, wie Sie dem widerwärtigen Menschen entgegengetreten sind, Graf Dehn!" begann sie. "Und wie finden Sie Imgjors Benehmen?" fuhr sie fort. "Ist es nicht unerhört, in welcher Weise sie die Rücksichten gegen ihre eigene Familie bei Seite schieben will? Ich muß sagen, ich stehe ganz auf Mamas Seite. Und es geschieht ja auch nun ohne unsere Einwirkung das, was Sie als erforderlich bezeichneten. Imgjor wird—ich hoffe, daß Papa darauf besteht—Rankholm verlassen. Was wird nun aber aus Ihnen, lieber Graf! Werden Sie es allein mit uns aushalten können?"
"Sie wissen, wie ich über Sie alle denke, wie sehr ich Sie alle schätze und verehre, Komtesse. Das ist meine Antwort. Aber etwas anderes drängt sich mir auf. Wohin wird man Ihr Fräulein Schwester schicken? Soll sie Nutzen haben von einer Entfernung, muß sie in keine Umgebung gelangen, wo man ihr schroff entgegentritt. Man muß ihr mit Güte begegnen und versuchen, sie allmählich von dem Unwert ihrer übertriebenen Ideen zu überzeugen."
"Ja, Sie haben Recht, Graf Dehn. Was raten Sie?"