Graf Knut hatte ihm einen Brief gesandt. Durch dessen Inhalt war er belehrt worden, daß Imgjor nichts zu erwarten habe, daß ihm die Zukunft, hielt er an ihr fest, eine unerträgliche Last aufbürden werde.

In solcher inneren Verfassung hatten beider Mienen etwas äußerst Unfreies. Prestö knüpfte sogleich an die Zeilen des Grafen Knut an. Er erzählte ihr, was sie schon von Lucile wußte, und gab sich sehr bedrückt.

"Was ist uns Geld und Gut, wenn wir einigen Herzens sind, Erik!" fiel
Imgjor ein.

"Gewiß, den großen Zielen, die wir verfolgen wollen, ist ein Hemmschuh angelegt. Aber es bleibt uns das lebendige Wort für die Sache, dadurch für das große Werk zu wirken, es zu fördern!"

"Wirst du aber gegen den Willen der Deinigen dich aufraffen können, Imgjor? Wird dir nicht die Reue kommen? Alle Brücken brichst du hinter dir ab! Hier in Kneedeholm können wir nicht bleiben. Ich muß erst einen neuen Wirkungskreis suchen, wieder einen Erwerb finden. Dann erst können wir an eine Verbindung denken. Was willst du in der Zwischenzeit beginnen? Wir sollen beide leben! Ich bin ohne Mittel! Deshalb betonte ich die Notwendigkeit, deinen Adoptivvater wenigstens zur Herausgabe eines Bruchteils seines Vermögens zu bewegen. Nach des Grafen Knut Bericht wird er sich dazu nicht verstehen. Was aber soll dann werden?"

Imgjor hatte Prestö mit starrem Ausdruck zugehört. So kalt, so nüchtern, so voller Bedenken hatte er gesprochen, so gefühllos das alles vorgebracht! So ganz anders hatte nun, da sie ein armes Geschöpf war, ärmer als irgend eine Bauerstochter in Kneedeholm, seine Rede gelautet! Statt der bisherigen stürmischen Worte, statt des zärtlichen Flehens, statt der Beteuerungen und Bitten, ihm zu folgen, ihm zu glauben und zu vertrauen, alles leicht zu nehmen, nur ihr künftiges Glück und die großen Ziele ins Auge zu fassen—saß nun ein feiger Schwächling ihr gegenüber. Ach, noch weit mehr! Und diese furchtbare Erkenntnis trieb ihr das Blut gegen das ohnehin erregte Herz.

Jedes Wort hatte die Absicht verraten, sie so rasch wie möglich wieder von sich abzuthun, rückgängig zu machen, was er hundertfältig beteuert hatte.

Dennoch beschloß sie, zu ihrer völligen Heilung den Becher auszukosten.

Sie sprach, sich zur Fassung und zu einem freundlichen Gleichmut zwingend:

"Ich denke anders als du, Erik! Liebe kennt keine Berge und Abgründe. Sie überwindet alles. Ich würde jegliches geduldig auf mich nehmen, wüßte ich mir dadurch den Sieg zu erringen. Aber du bist nicht frei, es sei denn, daß der Inhalt dieser Briefe—" hierbei zog sie die Zuschriften seiner Braut hervor—"Klarheit in deine Angelegenheit bringt."