Seine lange Abwesenheit begründete das junge Paar durch den Umstand, daß sie, abgesehen von Gretens Unpäßlichkeit, beide noch nie etwas von der Welt gesehen hätten; sie wollten nun die Gelegenheit nützen. Deutschland, England, Paris, die Schweiz und zuletzt Italien hatten sie auf kürzere oder längere Zeit berührt.
Neuerdings verkehrte Hederich sehr viel bei den Alten, fast jeden Abend kam er, spielte Whist oder plauderte und berichtete, was ihm die Spatzen zugetragen.
Er hielt mit seinem kühlen Urteil über Tankred auch jetzt nicht zurück, aber gestand zu, daß sein neuer Herr für vieles einen richtigen Blick habe und gut zu disponieren verstehe.
„Er wird's auch bald allein machen, drum und dran! Weshalb noch einen
Verwalter halten und bezahlen?“ hatte er schon hingeworfen und auf die
Einwände der beiden Tressens hinzugefügt: „Ja, ich sagte auch bezahlen,
gnädige Frau. Er ist wie das Fräulein, er sieht auf den Schilling.“
Tressens fühlten, daß Hederich recht habe; in den letzten Wochen vor der Hochzeit hatten sich allerlei kleine Dinge bemerkbar gemacht, die nur wegen mangelnder Veranlassung früher nicht zum Ausdruck gelangt waren. Ihrer Kinder Engherzigkeit hatte Tressens gestört, aber gerade sie, die es nicht verstanden, zu hüten, schätzten doch auch wieder deren Sparsamkeitssinn, wenn schon ihr Temperament sie einmal hinriß, sich dagegen aufzulehnen.
Wenn die Alten allein waren, gaben sie ihren Gedanken rückhaltslos Ausdruck; Befürchtungen, die durch die Abmachungen vor der Hochzeit beseitigt zu sein schienen, machten sich leise vorahnend wieder geltend.
Grete und Tankred hatten ihnen ein Drittel der Jahreserträgnisse des Gutes überwiesen und ihr Einverständnis erklärt, daß die Alten im Schloß wohnen blieben. Wenn sich später herausstellte, daß doch ein so enges Zusammenleben nicht zuträglich sei, so verpflichteten sie sich, ihnen eine Wohnung in Elsterhausen für ihre Bedürfnisse einzurichten, ohne allerdings gehalten zu sein, sie noch besonders zu bezahlen.
Grete hatte ihren Eltern diese nach wiederholten Beratungen mit Tankred aufgesetzten Punkte eines Tages als ihren unabänderlichen Willen unterbreitet, ja, das Aktenstück ihnen gleich unterschrieben auf den Tisch gelegt. Der Rechtsanwalt hatte Tressens in einem privaten Schreiben geraten, anzunehmen, was ihnen geboten wurde. Es sei doch möglicherweise auch in ihrem Interesse, daß eine Trennung stattfinde, und der materielle Punkt sei nicht wohl anfechtbar, da die Überweisung eines Drittels aus den Einkünften koulant zu nennen sei. —
Es war mitten im Juni, an einem das Gemüt erheiternden, sehr schönen Sommertage, als nach Tisch ein Brief von Grete eintraf, der nunmehr verkündete, daß Breckens zurückkehren würden.
Zufälligerweise hatten sich Theonie und Carin, welch letztere nach wie vor von den guten Gesinnungen der beiden Tressens stete Beweise erhielt, auf Holzwerder zum Nachmittag angemeldet. Zwischen Theonie und Tressens hatte sich aus naheliegenden Gründen ein freundschaftlicher Verkehr entwickelt, und die Neigung, sich häufiger zu begegnen, war dadurch verstärkt worden, daß Hederich, der bei Theonie viel aus- und einging, ein für die Herbeiführung einer Annäherung erprobtes Mittel fleißig zur Anwendung brachte. Er berichtete beiden Gruppen das Günstige, was sie übereinander geäußert hatten.