Als Frau von Tressen eben den Brief zu Ende gelesen, erschien Peter und meldete, daß die Damen und auch Höppners ihm auf dem Fuße folgten.
„Welch angenehme Überraschung,“ stieß Frau von Tressen heraus und eilte, von ihrem Manne gefolgt, den Gästen entgegen. Höppners hatten auch Lene mitgebracht, die ihr Händchen gab und sich dann gleich einem kleinen Hausteckel, der sich unter dem Tisch verkrochen hatte und nun hervorkam, zuwandte. Während die Herrschaften gemütlich plaudernd beim Kaffee saßen, erschien auch noch Hederich, von allen lebhaft begrüßt, besonders aber von der Pastorin.
„Sie wissen wohl gar nicht mehr, wo wir wohnen, lieber Hederich!“ hub sie an. „Wie lange ist's her, daß Sie nicht in Breckendorf waren! Aber ich weiß, was Sie jetzt viel mehr anzieht. Unsere Frau Theonie und gewisse andere Personen haben uns ausgestochen! Freilich, das ist begreiflich, ich muß es zugestehen!“ schloß sie mit liebenswürdiger Neckerei, halb Hederich, halb Carin mit ihren Blicken streifend.
Über Carins Gesicht flog ein Lächeln. Hederich aber erging sich, da er sich getroffen fühlte, in sehr ernsthaften Gegenreden, die dann den gutmütigen Pastor zu dem Versuch veranlaßten, die Wirkung der Worte seiner Frau abzuschwächen.
„Ja, ja, gewiß die Entfernung!“ bestätigte er. „Breckendorf liegt so weit, und Sie sind gerade jetzt so sehr beschäftigt. Meine Frau sagt immer alles, was ihr gerade auf die Zunge kommt. Das kennen Sie ja bei ihr!“
„Herr Hederich ist ein eifriger Schachspieler geworden,“ nahm nun auch Theonie das Wort. „Das zieht ihn nach Falsterhof. Fräulein Carin ist eine gute Lehrmeisterin —“
„Ja, drum und dran, das ist wahr, aber strenge ist sie,“ lachte
Hederich. „Erst in voriger Woche gab's viel Tadel, und von einer
Versetzung nach Prima war nicht die Rede.“
„Sie werden vielleicht bald besser spielen als ich, Herr Hederich!“ fiel Carin ein. Und zu den übrigen gewendet, fuhr sie fort: „Es ist auch ganz anders, als er sagt. Er hat mich schon einigemale matt gemacht! So steht die Sache!“
Das Gespräch ging jetzt auf andere Gegenstände über. Der Pastor lobte
Herrn von Tressens vortreffliche Zigarren, und die Pastorin und Frau von
Tressen, die Lene vom Spielen abgerufen hatte, um ihr einen Kuchen
zuzustecken, waren plaudernd um die Kleine beschäftigt.
„Haben Sie schon die Rosen unten im Garten gesehen, Fräulein Carin?“ fragte Hederich nun die eifrig über eine Arbeit gebückte Gesellschafterin Theonies.