Sie, in Hoffnung und Jammer, war zufrieden, daß ich sie anhörte, und bat und erzählte und klagte mit ausbrechender Leidenschaft. Ich aber sah ihr immerzu in das tränenvolle, reife, schöne Gesicht und konnte nichts anderes denken als: »Er hat sie geschlagen!« Ich meinte seine Faust zu sehen, und mir graute vor ihm und vor ihr, die nach Schlägen und Verachtung und Abweisung keinen andern Gedanken und Wunsch zu haben schien als den Weg zu ihm und zu den alten Demütigungen zurückzufinden.
Endlich versiegte die Flut, Lotte redete langsamer, schien befangen und der Situation bewußt zu werden, und verstummte. Zugleich ließ sie meine Hände los.
»Er hat keine andere,« sagte ich leise, »wenigstens weiß ich nichts davon und glaube es nicht.«
Sie schaute mich dankbar an.
»Aber helfen kann ich Ihnen nicht,« fuhr ich fort. »Ich rede nie mit ihm über solche Sachen.«
Wir waren beide eine Weile still. Ich mußte an Marion denken, an die schöne Marion und an jenen Abend, da ich mit ihr durch die Föhnluft gegangen war, an ihrem Arm, und sie sich so tapfer zu ihrem Geliebten bekannt hatte. Hatte er die auch geschlagen? Und lief auch die ihm noch nach?
»Warum sind Sie denn zu mir gekommen?« fragte ich.
»Ich weiß nicht, ich mußte doch etwas tun. Glauben Sie nicht, daß er noch an mich denkt? Sie sind ein guter Mensch, Sie helfen mir! Sie könnten es doch versuchen, ihn einmal fragen, einmal von mir reden....«
»Nein, das kann ich nicht. Wenn er Sie noch liebt, wird er von selber wieder zu Ihnen kommen. Und wenn nicht, dann – –.«
»Was dann?«