»Muoth!« rief ich und hielt die Hand fest, und ich konnte nicht in seine Augen sehen, ohne daß alles in mir aufwachte und wehe tat. Ich sah wieder den Brief auf seinem Tische liegen, den Brief mit Gertruds Handschrift, und sah mich wieder von ihr Abschied nehmen und den Tod wählen. Da stand er nun und blickte mich forschend an. Er sah etwas gemagert aus, doch schön und stolz wie je.
»Ich hatte dich nicht erwartet,« sagte ich leise.
»So? Daß du zu Gertrud nicht mehr gekommen bist, weiß ich schon. Meinetwegen – lassen wir das alles unbesprochen! Ich bin da um zu sehen, wie du lebst und was deine Arbeit macht. Was ist denn mit der Oper!«
»Die ist fertig. Aber zuerst: Wie geht es Gertrud?«
»Gut. Wir haben ja bald Hochzeit.«
»Ich weiß.«
»Ja. Besuchst du sie nicht bald einmal?«
»Später, doch. Ich will sehen, ob sie es auch gut bei dir hat.«
»Hm...«
»Heinrich, verzeih, aber ich muß manchmal an die Lotte denken, die du schlecht gehalten und geschlagen hast.«