»Laß die Lotte! Es geschah ihr recht. Es bekommt kein Weib Schläge, das keine haben will.«
»Nun ja. Also die Oper. Ich weiß noch gar nicht, wo ich sie zuerst einreichen soll. Es müßte eine gute Bühne sein, aber ob die das Ding nehmen wird?«
»Sie wird schon. Ich wollte darüber mit dir sprechen. Bring sie nach München! Angenommen wird sie wahrscheinlich, man interessiert sich für dich, und im Notfall stehe ich dafür ein. Ich möchte sehr gern, daß kein anderer meine Rolle vor mir singt.«
Damit war mir gedient. Ich sagte gern zu und versprach, bald für Abschriften zu sorgen. Wir besprachen Einzelheiten und sprachen verlegen weiter, als sei es uns todeswichtig, und doch wollten wir nichts als die Zeit hinbringen und vor der Kluft, die sich zwischen uns aufgetan hatte, die Augen schließen.
Muoth brach den Bann zuerst.
»Du,« sagte er, »weißt du noch, wie du mich damals zu den Imthors mitgenommen hast? Es ist ein Jahr her.«
»Ich weiß noch,« sagte ich, »und du brauchst mich nicht zu erinnern, du. Geh lieber!«
»Nein, Freund. Also du erinnerst dich noch. Nun, wenn du damals schon das Mädchen lieb gehabt hast, warum hast du nicht ein Wort zu mir gesagt? Warum hast du nicht gesagt: Laß sie in Ruh, laß sie mir! Es wäre genug gewesen, ich hätte auch eine Andeutung verstanden.«
»Das durfte ich nicht.«
»Durftest du nicht? Warum nicht? Wer hieß dich zusehen und den Mund halten, bis es zu spät war?«