»Du bist doch ein Huhn, ein blindes,« sagte er dann vorwurfsvoll. »Hast du denn nie was gemerkt?«
»Nein,« sagte ich mit aufsteigender Ahnung der Wahrheit.
»Nun, ich darf es schon sagen. Das Mädel hat dich gern gehabt, schon lang. Natürlich, sie hat mirs nie gesagt, so wenig wie dir, aber gemerkt hab ich's und, offen gestanden, gefreut hätte mich's, wenn's was geworden wär.«
»O weh!« sagte ich, aufrichtig traurig. »Aber was war nun das heut abend?«
»Daß sie geheult hat? Du bist doch ein Kind! Ja meinst, wir hätten nichts gesehen?«
»Was denn?«
»Lieber Gott! Du brauchst mir ja nichts davon zu sagen und es ist recht, daß du's nie getan hast; aber dann hättest du auch die Frau Muoth nicht so anschauen sollen. Jetzt wissen wir's eben.«
Ich bat ihn nicht, mein Geheimnis zu schonen, ich war seiner sicher. Leise legte er mir seine Hand auf die Schulter.
»Ich kann mir jetzt auch allerlei denken, Freundl, was du in diesen Jahren geschluckt und uns verschwiegen hast. Es ist mir früher auch einmal ähnlich gegangen. Wir wollen jetzt brav zusammenhalten und schöne Musik machen, gelt? Und schauen, daß das Mädel sich tröstet. Da, gib mir die Hand, schön ist's gewesen! Und auf Wiedersehen daheim! Ich fahr' mit dem Mädel morgen in der Frühe.«
Damit trennten wir uns, doch kam er nach wenigen Augenblicken noch einmal zurückgelaufen und sagte eindringlich: »Du, bei der nächsten Aufführung muß aber die Flöte wieder rein, gelt?«