»Die Lotte ist auch wieder aufgetaucht,« begann er von neuem.
»Die Lotte?«
»Ja, die damals bei dir war und mich verklagt hat. Sie ist hier und verheiratet, und es scheint, sie interessiert sich noch für mich. Sie war da und hat einen richtigen Besuch gemacht.«
Er sah mich wieder listig an und lachte, als er mich erschrecken sah.
»Hast du sie empfangen?« fragte ich zögernd.
»Ah, du traust es mir zu! Nein, Werter, ich habe sie fortschicken lassen. Aber verzeih, ich rede dummes Zeug. Ich bin so verdammt müde, und abends muß ich singen. Wenn du erlaubst, lege ich mich drüben für eine Stunde hin und schlafe.«
»Gut, Heinrich, ruh dich aus, ich fahre ein wenig in die Stadt. Willst du mir einen Wagen kommen lassen?«
Ich mochte nicht wieder stumm in diesem Hause sitzen und dem Wind in den Bäumen zuhören. Ich fuhr in die Stadt, ohne Ziel, und geriet in die alte Pinakothek. Dort schaute ich eine halbe Stunde lang bei dem trüben grauen Licht die alten Bilder an, dann wurde geschlossen und ich wußte nichts Besseres, als in einem Café die Zeitungen zu lesen und durch die hohen Scheiben auf die verregnete Straße zu schauen. Ich nahm mir vor, um jeden Preis diese Kühle zu durchbrechen und aufrichtig mit Heinrich zu reden.
Aber als ich zurückkehrte, fand ich ihn lächelnd und wohlgelaunt.
»Es hat nur am Schlaf gefehlt,« sagte er munter. »Jetzt bin ich wieder ganz frisch. Du mußt mir etwas spielen, gelt? Das Präludium, wenn du so gut sein willst.«