»Dann hat er mich genötigt, ihn hinauszuwerfen, und dann hatte ich lange keinen Freund mehr, eigentlich bis du dann kamst.«

»Das ist deutlich.«

»Gelt?« sagte er milde. »Du hast nun die Wahl. Aber ich will dir sagen, es wäre nicht schön, wenn du mir jetzt auch drausliefest. Ich habe dich gern, du, und ich habe mir ausgedacht, daß du auch eine Freude haben sollst.«

»So. Was denn?«

»Sieh, du hast ja meine Frau gern – oder wenigstens gern gehabt, und ich hab sie auch gern, sogar sehr. Nun wollen wir heut abend ein Fest geben, nur für dich und mich, zu ihren Ehren. Nämlich, es ist ein Grund dazu vorhanden. Ich habe sie malen lassen, sie mußte im Frühjahr immer zu dem Maler hingehen, ich war oft dabei. Dann reiste sie fort, das Bild war fast fertig. Der Maler wollte sie noch einmal sitzen haben, aber jetzt habe ich das Warten satt bekommen und das Bild bestellt, wie es halt ist. Das ist vor einer Woche gewesen, und jetzt ist ein Rahmen drum und das Bild ist gestern ins Haus gekommen. Ich hätte dir's gleich gezeigt, aber es ist besser, daß das festlich geschieht. Freilich, ohne einigen Champagner wird es nicht gut gehen, wie soll ich sonst vergnügt werden! Ist dir's recht?«

Ich fühlte hinter seinem Scherzen Rührung, ja Tränen verborgen und stimmte munter ein, obwohl mir nicht so zumute war. Unser Fest zu Ehren der Frau, die ihm so ganz verloren schien, wie sie es mir wirklich war, wurde vorbereitet.

»Kannst du dich noch an ihre Blumen erinnern?« fragte er mich. »Ich verstehe von Blumen nichts und weiß nicht, wie sie heißen. Sie hatte immer solche weiß und gelbe, und auch rote. Weißt du nimmer?«

»Ja, einige weiß ich noch. Warum?«

»Du mußt sie kaufen. Laß einen Wagen kommen, ich muß ohnehin auch in die Stadt. Wir wollen es so machen, wie wenn sie da wäre.«

So fiel ihm noch manches ein, woran ich sah, wie tief und unablässig er an Gertrud gedacht hatte. Es tat mir wohl und weh, es zu merken. Ihretwegen hielt er keine Hunde mehr und lebte einsam, der sonst nie lang ohne Frauen hatte sein können. Er hatte ihr Bild bestellt, er hieß mich ihre Blumen kaufen! Das war als nehme er eine Maske ab und ich sähe hinter den harten selbstsüchtigen Zügen ein Kindergesicht versteckt.