Der Philosoph maß Lauschern mit einem argwöhnischen Blick.
„Ich muß gestehen,“ antwortete er, „ich muß wirklich gestehen, mein lieber junger Herr, daß diese Späße mich einigermaßen befremden.“
Lauscher wurde nun aber ernstlich ungehalten.
„Herr Drehdichum,“ rief er heftig, „ich muß Sie bitten, mich nicht mit einem Hanswurste zu verwechseln und sich, falls Sie selbst, wie es scheint, diese heitere Rolle agieren wollen, gefälligst einen andern Schauplatz als meine Wohnung zu suchen.“
„Nun, nun,“ lächelte gutmütig Drehdichum, „vielleicht denken Sie der Sache noch einmal nach! Indessen leben Sie allerseits wohl, meine Herren!“ Damit rückte er den grünlich schillernden Hut auf dem weißen Kopfe zurecht und verließ lautlos das Zimmer.
Unten fand Drehdichum die schöne Lulu allein im leeren Wirtszimmer stehen und Weingläser mit einem Tuch ausreiben. Er schenkte sich seinen Becher selber am Fasse voll und setzte sich dem Mädchen gegenüber an den Tisch. Ohne etwas zu reden, blickte er zuweilen freundlich aus seinen alten hellen Augen der Schönen ins Gesicht, und sie, da sie sein Wohlwollen spürte, fuhr unbefangen in ihrer Arbeit fort. Der Philosoph ergriff ein leeres geschliffenes Glas, füllte ein wenig Wasser hinein und begann den Rand, den er befeuchtet hatte, mit der Spitze des Zeigefingers zu reiben. Bald kam ein Summen hervor, und dann ein klarer Ton, der ohne Unterbruch bald schwellend, bald schwindend die Stube erfüllte. Die schöne Lulu hörte das feine Singen gern, sie ließ die Hände ruhen und lauschte und ward von dem ewigen süßen Kristalltone ganz bezaubert, indes der Alte manchmal vom Glase weg ihr freundschaftlich und eindringend in die Augen blickte. Das ganze Zimmer klang von dem Singen des Glases. Lulu stand ruhig damitten und dachte nichts und hatte die Augen groß wie ein horchendes Kind.
„Lebt noch der alte König Ohneleid?“ vernahm sie eine Stimme fragen und wußte nicht, war es der Alte, der fragte, oder kam die Stimme aus dem Ton des Glases. Auf die Frage aber mußte sie durch ein Nicken antworten, sie wußte nicht warum.
„Und weißt du noch das Lied der Harfe Silberlied?“
Sie mußte nicken und wußte nicht warum. Leiser tönte der Kristallklang. Die Stimme fragte:
„Wo sind die Saiten der Harfe Silberlied?“