Bis zu ihnen drang Knulp geräuschlos vor, nachdem er den fremden Garten betrachtet hatte, und sah nun zwischen den Bäumen hindurch das Haus liegen, die Küche nach hinten, und er hatte noch nicht lange gewartet, da sah er in der Küche auch das Mädchen mit aufgekrempelten Ärmeln wirtschaften. Die Hausfrau war dabei und hatte viel zu befehlen und zu lehren, wie es bei Weibern ist, die keine gelernte Magd bezahlen mögen und ihre jährlich wechselnden Lehrmädchen nachher, wenn sie aus dem Hause sind, nicht genug zu preisen wissen. Ihre Unterweisung und Klage geschah jedoch in einem Ton, der ohne Bosheit war, und die Kleine schien bereits daran gewöhnt, denn sie tat unbeirrt und mit glatter Miene ihre Arbeit.

Der Eindringling stand an einen Stamm gelehnt mit vorgestrecktem Kopf, neugierig und wachsam wie ein Jäger, und lauschte mit vergnügter Geduld als ein Mann, dessen Zeit wohlfeil ist und der gelernt hat, als Zuschauer und Zuhörer am Leben teilzunehmen. Er freute sich am Anblick des Mädchens, wenn es durchs Fenster sichtbar wurde, und er schloß aus der Mundart der Hausfrau, daß sie keine geborene Lächstetterin, sondern ein paar Stunden weiter oben im Tale daheim sei. Ruhig horchte er und kaute auf einem duftenden Tannenzweig eine halbe Stunde und eine ganze Stunde lang, bis die Frau verschwand und es still in der Küche wurde.

Er wartete noch eine kleine Weile, dann trat er behutsam vor und klopfte mit einem dürren Zweig ans Küchenfenster. Die Magd achtete nicht darauf, er mußte noch zweimal klopfen. Da kam sie ans halboffene Fenster, tat es vollends auf und schaute heraus.

»Ja, was tut denn Ihr da?« rief sie halblaut. »Jetzt wär ich fast erschrocken.«

»Vor mir doch nicht!« meinte Knulp und lächelte. »Ich wollte bloß einmal Grüßgott sagen und sehen, wie’s geht. Und weil nämlich heut Samstag ist, möchte ich fragen, ob Ihr morgen nachmittag etwa frei habet, zu einem kleinen Spaziergang.«

Sie sah ihn an und schüttelte den Kopf, und da machte er ein so trostlos betrübtes Gesicht, daß es ihr ganz leid tat.

»Nein,« sagte sie freundlich, »morgen hab ich nicht frei, nur vormittags für die Kirche.«

»So, so,« brummte Knulp. »Ja, dann könntet Ihr aber gewiß heut abend mitkommen.«

»Heut abend? Ja, frei hätte ich schon, aber da will ich einen Brief schreiben, an meine Leute daheim.«

»O, den schreibt Ihr dann eben eine Stunde später, er geht heut nacht doch nimmer fort. Sehet Ihr, ich hab mich schon so gefreut, bis ich wieder ein bißchen mit Euch reden kann, und heut abend, wenn’s nicht gerade Katzen hagelt, hätten wir so schön spazieren gehen können. Gelt, seiet lieb, Ihr werdet doch vor mir keine Angst haben!«