„Ich hoffe, Sie sind diesmal zur Brautschau herübergekommen.“
„Nein, gnädige Frau, das ist nun einmal verpaßt. Ich mag mir das hübsche Europa auch nicht verderben. Sie wissen, ich habe Verwandte und entwickle mich allmählich zum Erbonkel. Mit einer Frau dürfte ich mich in der Heimat gar nimmer sehen lassen.“
In Frau Veraguths Zimmer war der Kaffee serviert. Man trank Kaffee und Likör und plauderte eine Stunde, von der Seereise, von Gummipflanzungen, über chinesisches Porzellan. Der Maler war anfangs still und etwas bedrückt, er hatte dies Zimmer seit Monaten nicht mehr betreten. Aber es ging alles gut und mit Ottos Gegenwart schien eine leichte, frohere, kindlichere Atmosphäre in das Haus gekommen zu sein.
„Ich glaube, jetzt möchte meine Frau gerne ein bißchen ruhen,“ sagte der Maler schließlich. „Ich will dir deine Zimmer zeigen, Otto.“
Sie verabschiedeten sich und gingen nach den Gastzimmern. Veraguth hatte zwei Stuben für seinen Freund hergerichtet und ihre ganze Einrichtung selber besorgt, die Möbel gestellt und an alles gedacht, von den Bildern an der Wand bis zur Auswahl der Bücher im Schaft. Überm Bett hing eine alte, bleichgewordene Photographie, ein drollig rührendes Institutsbild aus den siebziger Jahren. Das fiel dem Gast ins Auge und er trat näher, um es zu betrachten.
„Herrgott,“ rief er überrascht, „das sind ja wir, alle sechzehn von damals! Junge, du bist rührend. Ich habe das Ding seit zwanzig Jahren nimmer gesehen.“
Veraguth lächelte.
„Ja, ich dachte, es würde dir Spaß machen. Hoffentlich findest du alles, was du brauchst. Willst du gleich auspacken?“
Burkhardt setzte sich breit auf einen mächtigen, mit Kupferecken beschlagenen Schiffskoffer und blickte zufrieden um sich.
„Fein ist’s hier. Und wo bist du zu Haus? Nebenan? Oder oben?“