Bald würde man ihn rufen, und dann würde man sehen, daß er geweint hatte, und dann würde man die nasse, schmutzige Bluse und die feuchten Schuhe bemerken und ihn dafür schelten. Feindselig ging er an der Küchentüre vorüber, er mochte jetzt mit niemand zusammentreffen. Er wäre am liebsten irgendwo weit fortgewesen, wo gar niemand von ihm wußte und nach ihm fragte.
Da sah er an einem der selten bewohnten Gastzimmer den Schlüssel stecken. Er ging hinein, zog die Türe zu, schloß auch die offenstehenden Fenster und verkroch sich wild und müde und ohne die Schuhe auszuziehen auf ein großes unüberzogenes Bett. Da blieb er zwischen Weinen und Schlummern in seinem Jammer liegen. Und als er, nach einer langen Zeit, seine Mutter im Hof und auf der Treppe nach ihm rufen hörte, gab er keine Antwort und grub sich trotzig tiefer in die Decke. Die Stimme der Mutter kam und ging und verklang endlich, ohne daß er sich überwinden konnte, ihr zu folgen. Zuletzt schlief er mit nassen Wangen ein.
Mittags, als Veraguth zu Tische kam, fragte ihn seine Frau sogleich: „Hast du denn Pierre nicht mitgebracht?“
Ihr etwas erregter Ton fiel ihm auf.
„Pierre? Ich weiß nichts von ihm. War er denn nicht bei euch?“
Frau Adele erschrak und redete lauter.
„Nein, ich habe ihn seit dem Frühstück nimmer gesehen! Als ich ihn suchte, sagten mir die Mädchen, sie hätten ihn ins Atelier gehen sehen. War er denn nicht dort?“
„Ja, er war da, aber nur einen Augenblick, er lief gleich wieder weg.“
Und ärgerlich fügte er hinzu: „Sieht denn kein Mensch im Haus nach dem Jungen?“
„Wir glaubten, er sei bei dir,“ sagte Frau Adele kurz und gekränkt. „Ich gehe ihn suchen.“