„Warum? Ich glaube nicht. Neulich ist einer ganz lange auf meinem Finger gesessen.“
„Ja, aber jetzt sind keine da. Wenn ich manchmal ganz allein zu dir hinübergehe und ich komme dann hier vorbei, dann sind immer viele, viele Schmetterlinge auf dem Weg, und sie heißen Bläulinge, das weiß ich, und sie kennen mich und haben mich lieb, sie fliegen immer ganz nah um mich herum. Kann man denn Schmetterlinge nicht füttern?“
„Doch, das kann man, wir wollen es nächstens einmal versuchen. Man tut einen Tropfen Honig auf die Hand und streckt sie ganz ruhig aus, bis die Falter kommen und davon trinken.“
„Fein, Papa, das probieren wir. Nicht wahr, du sagst es der Mama, daß sie mir ein bißchen Honig geben muß? Dann weiß sie, daß ich ihn wirklich brauche und daß es keine Dummheit ist.“
Pierre lief voran durch das offene Haustor und den breiten Korridor, in dessen kühler Dämmerung der von draußen geblendete Vater noch den Hutständer suchte und nach der Speisezimmertüre tastete, als der Knabe längst drinnen war und die Mutter mit seinem Anliegen bestürmte.
Der Maler kam herein und gab seiner Frau die Hand. Sie war etwas größer als er, eine kräftige Gestalt, gesund, aber ohne Jugend, und sie hatte zwar aufgehört, ihren Mann zu lieben, sah aber noch heute den Verlust seiner Zärtlichkeit als ein traurig unbegreifliches, unverschuldetes Unglück an.
„Wir können gleich essen,“ sagte sie mit ihrer ruhigen Stimme, „Pierre, geh und wasch dir die Hände!“
„Hier ist eine Neuigkeit,“ fing der Maler an und gab ihr den Brief seines Freundes. „Otto kommt schon bald und ich hoffe, er bleibt eine gute Weile da. Es ist dir doch recht?“
„Herr Burkhardt kann die beiden Zimmer unten haben, da ist er ungestört und kann nach Belieben ein und aus gehen.“
„Ja, das ist gut.“